Shirin Ebadi:
Ein Schrei nach Freiheit vom Ayatollah-System für den Iran und seine Menschen!
Von Wahied Wahdat-Hagh
Wenn die Geschichte Shirin Ebadis erzählt werden soll, dann ist es immer auch die Geschichte des Irans der letzten Jahrzehnte. Denn die Friedensnobelpreisträgerin ist wohl die bekannteste Frau aus der islamischen Republik, ihre Karriere ist eng verknüpft mit dem Wandel des Staatssystems vom Schah zum Wächterrat. Dennoch will sie in diesem Buch keine politischen Analysen, ja nicht einmal ihre politischen Memoiren schreiben, stattdessen soll es die Ereignisse wiedergeben, die ihr Leben betrafen.
Jugend und Zeit unterm Schah
Schon als Kind prägten sie politische Erlebnisse, sie erinnert sich z.B. an den damaligen, sehr antiimperialistischen Premierminister Mohammad Mossadegh, dessen „Nationalbewusstsein eine Anziehungskraft“ besessen habe. Nüchtern schildert sie den Sturz Mossadeghs und zitiert den „käuflichen Schah“, der sich beim amerikanischen Geheimdienst für den Putsch von 1953 bedankte. Shirin Ebadi besuchte als Tochter einer modernen bürgerlichen Familie die Schule und studierte Jura. Sie wollte vom Schleier nie etwas wissen, denn sie kam ja nicht aus einer „traditionsverhafteten Familie“. Dennoch musste sie schon in den 60er Jahren lernen, dass ein Schah-Gegner zu sein, gleichbedeutend war, für Ayatollah Khomeini zu stimmen. Schon mit 22 schloss Shirin Ebadi ihr Jurastudium ab und wurde Richterin.
1979 und die Folgen…
Die islamische Revolution von 1979 hatte für die Autorin einen bitteren Geschmack. Die Einführung des Schleierzwanges für Frauen war nur ein Faktor und vielen: „Die Kopftuch-‚Einladung’ war die erste Warnung, dass diese Revolution ihre Schwestern fressen könnte.“ Spannend und im Unterton traurig schildert sie ihre langjährige Arbeit, wie sie sich zum Schutz der Kinder und Frauen engagierte und wie die Studenten bei ihren Protesten sich vom Khatami verraten fühlten. Ihr Fazit ist ein vernichtendes Urteil über die angebliche Republik: „Ayatollah Khamenei ist im Iran der wahre Machthaber. Er ist der Oberste Befehlshaber der Armee, besetzt Ämter in einflussreichen staatlichen Institutionen, vom Gerichtswesen bis zu den staatlichen Medien und vor allem dem Wächterrat, einem Gremium, das sowohl neue Gesetze als auch Wahlen überprüft. In diesem System sind Teile der Regierung, wie das Parlament und die Exekutive, bloße Anhängsel.“
Mut, immer weiter zu machen
Doch Shirin Ebadi will nicht aufhören zu denken und zu sprechen. Seitdem sie den Nobelpreis bekommen hat, haben die Anschläge auf ihr Leben zugenommen, betont sie. Aber sie will weiter machen, in der Hoffnung, dass immer mehr Iraner sie bei ihrem Kampf für Freiheit des Iran unterstützen. Es ist zu wünschen, dass ihr Buch auch für Nicht-Iraner als ein lesbarer Schrei wahrgenommen wird, sich für die Freiheit der Iraner und insbesondere der iranischen Frauen einzusetzen.
(Rezensiert am: 2007-01-27)
Shirin Ebadi: Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung. Die Autobiografie der Friedensnobelpreisträgerin., Pendo Verlag, 2006, ISBN-13: 9783866120808, 19.90 €
| BuchTest Services | ||
|
|
| Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie | |
|
|
||
| © Copyright Buchtest.com | Impressum | Kontakt |