Rechungpa, W.Y. Evans-Wentz:
Er war der Zauberer, der Künstler unter den Yogis – genauso bezaubernd ist seine Lebensgeschichte!
Von Maximilian Hansen
Milarepa. Zauberer. Künstler. Sänger. Verwirklicher. Oder einfach ein großer Meditationsmeister des tibetischen Diamantweg-Buddhismus. Sein Leben ist lange her und hat doch nichts an Faszination verloren. Faszination für seine unermüdliche Ausdauer. Faszination für seine unermessliche Kraft. Faszination für seine Erleuchtung.
Milarepa – Teil der Karma Kagyü Übertragungslinie
Milarepa lebte von 1052 bis 1139 in Tibet. Er war Schüler von Marpa dem Übersetzer und setzte nach ihm die Übertragungslinie der Karma Kagyü Schule fort. Die empfangenen Übertragungen gab Milarepa vor allem an Gampopa und Rechungpa weiter. Letzterer schrieb auch die vorliegende Lebensgeschichte nieder. Diese Tradition besteht bis heute und wird derzeit vom 17. Gyalwa Karmapa Thaye Dorje geleitet.
Die Bedeutung des Lamas im Diamantweg-Buddhismus
An Milarepas Leben werden vor allem drei Merkmale des Diamantweg-Buddhismus deutlich: Erstens steht der spirituelle Lehrer (Lama) an höchster Stelle. Zweitens ist vor allem die Karma Kagyü Linie im Diamantweg-Buddhismus durch viel Meditation geprägt. Und drittens arbeitet der Yogi für die Verwirklichung mit allen Mitteln von Körper, Rede, Geist und sogar den Störgefühlen. Milarepa zeigt hier einen kompromisslosen Weg – Selbstaufgabe als schnellster Weg zur Erleuchtung.
Milarepas legendäre Gesänge
Die Erzählung über Milarepas Leben ist immer wieder akzentuiert durch seine legendären Gesänge. Denn meistens gab er seine Belehrungen in Form von Liedern, was ihm den Titel des künstlerischsten unter den Yogis einbrachte. In den Gesängen verdichten sich Inhalt und Bedeutung so stark, dass sie etwas metaphysisches bekommen. (Diese Lieder sind übrigens in zwei Einzelbänden vollständig erhältlich: „Milarepas gesammelte Vajra-Lieder“ I und II.)
Was bringt’s dem Leser heute?
Nun mag sich der Leser fragen, was ihm die Geschichten eines alten, lange verstorbenen Meisters bringen mag? Und obwohl vieles mystisch klingt, ja märchenhaft erscheint, spricht durch die blumige, symbolreiche Sprache eine klare und zeitlose Weisheit. Milarepas Disziplin ist wohl kaum erreichbar und seine Belehrungen über die Natur des Geistes bringen auf den Punkt, was man heute nicht besser sagen kann. Vor allem für praktizierende Buddhisten ein Beispiel, das fasziniert.
(Rezensiert am: 2005-06-29)
Rechungpa, W.Y. Evans-Wentz: Milarepa. Tibets großer Yogi, O. W. Barth, 2004, ISBN-13: 9783502611462, 26.90 €
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