Frank Schirrmacher:
Die Familie als Überlebensfabrik – Frank Schirrmacher droht leider nur, statt zum Kinderkriegen zu ermuntern!
Von Felix Struening
Als Familie bis du alles, alleine nichts! So könnte man Frank Schirrmachers neue Gesellschaftskritik zusammenfassen. Der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung legt nach dem großen Erfolg seines Buches „Das Methusalem-Komplott“ nun den Folgeband über die Deutschen vor: Familien als das Netzwerk schlechthin.
Die Überlebensfabrik
Dazu spart der Autor nicht an Gleichnissen, bezeichnet die Familie als Überlebensfabrik oder gar als „Urgewalten, die sich seit Jahrtausenden immer wieder erneuert, immer wieder reproduziert haben.“ Beispiele dafür sind Unglücke im Winter am Donnerpass, Brandkatastrophen in Hotels und ähnliches. Immer steht die Familie für Vertrauen, Uneigennützigkeit, Altruismus und Solidarität. Wer also denkt, der unabhängige Single-Mann ist das stärkste Gesellschaftsmitglied, hat sich getäuscht. Selbst Freundesnetzwerke könnten das der Familie nie ersetzen, auch wenn sie dies immer mehr leisten müssten.
TV-Familien und Nachwuchsprobleme
Frank Schirrmacher wird auch nicht müde, die Nachteile des Nicht-Familien-Lebens aufzuzählen. Ob das nun erhöhte Gefahr von Aggressivität, Alkoholismus und Depression beim Single-Mann ist oder der Konflikt zwischen Arbeit und Liebe. Oder aber Haustiere als Kinderersatz. Mahnend rechnet der Autor vor, dass bei sinkender Geburtenrate in Deutschland immer weniger Frauen für Männer vorhanden sind, da letztere sich meist jüngere Exemplare des anderen Geschlechts wählen. Unterstützt wird die drohende Theorie von zahlreichen Fakten, Infografiken, Zahlenspielen und Wahrscheinlichkeiten. Und schließlich findet sich ein Grund für das Böse: in den Familien der TV-Serien hat kaum jemand ein Kind. Stattdessen werden die fiktiven Persönlichkeiten vom Zuschauer als reale Freunde angenommen.
Ermunterung statt Drohung
Die Kritik der pseudo-emanzipierten Feministinnen, Frank Schirrmacher würde die Frau auf Haushalt und Kinderkriegen beschränken, geht zu weit. Stattdessen weist er dem weiblichen Geschlecht die Zukunftsrolle in unserer Gesellschaft zu, da es den scheinbaren Widerspruch von Arbeit und Liebe vereinen und unsere Lebensgrundlage schaffen könnte: Kinder. Nicht gerade ein Anreiz für Frauen, Kinder zu bekommen. Warum schafft es der Autor also nicht, seinen drohenden Zeigefinder sinken zu lassen und stattdessen die helfende Hand zu reichen? Warum muss er alle Schreckensszenarien kombinieren, anstatt die schönen Seiten des Familienlebens zu betonen? Schließlich ist er selbst Vater eines Sohnes. Was bleibt, ist ein fader Geschmack von Zahlenspielen, grauer Theorie und wenig Familie.
(Rezensiert am: 2006-07-08)
Frank Schirrmacher: Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gesellschaft, Karl Blessing Verlag, 2006, ISBN-13: 9783896672919, 16.00 €
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