Jan Assmann:

Monotheismus und die Sprache der Gewalt

Wie kam die Gewalt in die heiligen Schriften der Juden, Christen und Muslime – eine interessante Analyse!

Von Felix Struening

Jan Assmann ist nicht nur der bekannteste Ägyptologe unserer Tage, er bringt mit seinen Thesen und Texten zur Kulturtheorie auch immer wieder die akademische Welt in Aufruhr. Meist sind seine Erkenntnisse rund um das Thema der drei großen monotheistischen Weltreligionen gegliedert, so auch in diesem Fall. Erschienen als Dokumentation eines Vortrages im Rahmen der ‚Wiener Vorlesungen’ versucht dieses kurzweilige Büchlein herauszufinden, wie und warum gerade in den Schriften der monotheistischen Religionen so viel von Gewalt gesprochen wird.

Politische und sakrale Macht

Dabei geht es natürlich vor allem um das Alte Testament und die jüdischen Schriften. Monotheismus als kulturelle Semantik verstehend, interpretiert der Autor die biblischen (Gewalt-)Erzählungen nicht als historisch wirklich, sondern als symbolisch und damit prägend für das jeweilige Selbstbild. Denn während in ‚heidnischen’ Religionen Gewalt nur zum Zwecke politischer Macht angewandt wurde, geht mit der Entwicklung des Monotheismus eine religiöse Gewaltlegitimierung einher. Laut Assmann ist bei der Analyse jedoch Vorsicht angebracht, da viele biblische Aussagen aus früheren assyrischen Schriften übernommen und sakralisiert wurden. Der vom Autor als ‚exklusiver Monotheismus’ bezeichnete, also jener, der die Existenz anderer göttlicher Wesen neben dem eigenen Gott verneint, bedarf nämlich keiner Eifersucht, da keine anderen Götter existieren, um sie ihrer Anhängerschaft wegen zu beneiden.

Die Schrift als Gesetz

Worauf Jan Assmann wiederholt hinweist, ist der Geltungsanspruch religiöser Schriften im Monotheismus. Nicht nur die Regulierung des gesamten Lebens ist ein neues Phänomen, sondern auch die performative – also befehlende anstatt ratgebende – Ausdrucksform erscheint erstmals in monotheistischen Regelwerken wie der Thora. Nicht mehr das gesprochene Gesetz des Herrschers ist entscheidend, sondern Gesetze gelten, weil sie geschrieben stehen. Ein Faktor, der natürlich stark zur Unflexibilität und Kanonisierung beitrug. Die Folgen davon spüren wir noch heute bei radikalen und ultraorthodoxen Auslegungen jüdischer Schriften und natürlich vor allem des Korans. Ein lesenwertes Büchlein für zwischendurch, das so manchen Lichtblick in die Ursprünge religiösen Fanatismus wirft.

(Rezensiert am: 2007-02-04)

Jan Assmann: Monotheismus und die Sprache der Gewalt. , Picus Verlag Wien, 2006, ISBN-13: 9783854525165, 7.90 €


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