Peter Niggli:
Politisches Essay, das die globalen Probleme der Weltwirtschaft auf den Punkt bringt und Auswege sucht!
Von Claudio Bini
Im Jahr 1961 fand ein Begriff seinen Weg ins englische Lexikon, der heutzutage nicht mehr aus unserem Sprachgebrauch wegzudenken ist: die Globalisierung. Seither scheiden sich daran die Geister. Was für die einen technischer Fortschritt, Wachstum und Luxus ist, bedeutet für andere Ausbeutung und Armut. Spätestens seit dem Fall des eisernen Vorhangs erregt die Globalisierung zunehmend die Gemüter der Politik. Peter Niggli hat sich in seinem Essay „Nach der Globalisierung“ diesem Thema gestellt. Sein Buch ist eine Übersicht der globalen Wirtschafts- und Entwicklungspolitik und das Plädoyer für einen Kurswechsel.
Verlierer zu Gewinnern machen
Die Ereignisse vom 11. September 2001 haben die Kontroverse um die Globalisierung weiter aufgeheizt. Der Globus teilt sich stärker denn je in Zivilisation und Barbarei, in Gut und Böse, in Nord und Süd. Und die Kluft wächst. Die größte Hürde für deren Überwindung sehen Kritiker im neoliberalen Kurs der USA, der die Weltwirtschaft diktiert. Befürworter wähnen dagegen ein wirtschaftliches Walhalla. Peter Niggli lässt beide Seiten zu Wort kommen, bevor er selber Stellung bezieht: Wachstum nützt den Armen zwar, findet aber kaum statt. Die permanente Öffnung des Weltmarktes führt Entwicklungsländer meist zu Schulden und Stillstand. Es sei ein Trugschluss, dass ein Land einfach seine Grenzen öffnet, Zölle reduziert, ausländisches Kapital anlockt und schon sind alle Armen reich und alle Ungleichheiten verschwunden.
Eine klare Beweisführung
Der Aufbau des Buches folgt einer formalen Zweiteilung. Der erste Teil beschreibt die Situation in der Welt, klärt den Begriff der Globalisierung, zeigt wirtschaftliche Strategien und Probleme auf, und rügt die Politik der Global Player und Industriestaaten. Im zweiten Teil folgen Leitlinien, die der kritischen Entwicklung Abhilfe leisten sollen. Die Lösung: De-Globalisierung. Peter Niggli wirbt nicht für einen Ersatz des Systems, aber er kritisiert dessen Richtung. Seine Anklage ist verständlich geschrieben, seine Beweisführung durch Vergleiche, Zitate und Statistiken fundiert. Ob es Berichte von UNO, IWF oder der Weltbank sind, ob Reden von Kissinger und Bush, oder Parolen der Globalisierungsgegner, stets kommt in dieser Abhandlung die Ungleichheit in der Welt zu Wort.
Neue Blickwinkel eröffnen
Dabei will der in Zürich lebende Autor weder belehren noch auf die Tränendrüse drücken. Peter Niggli ist Geschäftsleiter der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hilfswerke, die sich für die Anliegen der Entwicklungsländer einsetzt. So hat die Arbeitsgemeinschaft jene Leitlinien formuliert, die in das Essay eingeflossen sind. Mit „Nach der Globalisierung“ will Niggli dem Leser neue Blickwinkel eröffnen. Das schlägt sich auch im übersichtlichen Layout des Buches nieder. Alle Kapitel beginnen mit einem vorangestellten Zitat, einzelne Zwischenrufe ergänzen die Abschnitte und helfen, schwere Inhalte aufzulockern. Zur besseren Orientierung wiederholen sich die wichtigsten Gedanken in fett hervorgehobenen Textfeldern.
Ansatz und Durchführung?!?
Insgesamt legt Peter Niggli eine interessante und umfassende Studie vor. Seine Lösungsansätze sind vielversprechend und zukunftsträchtig. Ob sie aber durchführbar sind oder sein werden, ist fraglich.
(Rezensiert am: 2006-02-28)
Peter Niggli: Nach der Globalisierung. Entwicklungspolitik im 21.Jahrhundert, Rotpunkt Verlag, 2004, ISBN-13: 9783858692856, 11.50 €
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