Sven Regener:
Unterhaltsame Gedankenmonologe eines „Durchschnittsbürgers“ auf der Suche nach nichts!
Von Philipp Struening
Auch der zweite Roman von Sven Regener ist ein Großerfolg. Nach „Herr Lehmann“ legt er nun die Jugenderlebnisse seines Helden vor. Die Geschichte des jungen, vorlauten und unbekümmerten Bundeswehrrekruten Frank Lehmann, der sich 1980 durch ein Jungerwachsenleben zwischen Studentenmarxismus und Kasernenblödsinn schlägt, ist höchst unterhaltsam. Er hat verpennt zu verweigern und sieht ausweglos den Wehrdienst auf sich zukommen. Als er nach den ersten vier Tagen wieder nach Hause kommt, findet er in seinem Zimmer auf seinem Schreibtisch seinen aufgeschraubten Fernseher und dessen Rückteil auf dem Bett vor. „..., da könnt ihr doch genauso gut Hau ab an die Wand schreiben, dass ist doch quasi... eine nonverbale Freudsche Fehlleistung ist das doch quasi“, sagt er seinen Eltern und findet noch am gleichen Wochenende einen Platz bei seinem Freund und dessen Exgenossen in der chaotischsten WG Bremens. In der halbrenovierten Wohnung trifft er jedes Wochenende neue Mitbewohner, die sich in seinem Zimmer oder dem der Exgenossen einquartieren. Die Fragerei, warum er nicht verweigert hätte, „er wäre doch sowieso mehr der Hippietyp“, geht ihm auf die Nerven und weil er die Bundeswehr auch hasst, macht er einen Verweigerungsversuch. Dieser schlägt fehl. Da er sowieso zur Nachschubkompanie darf, tröstet ihn sein Vorgesetzter, könne er die restlichen 315 Tage auch noch abwarten.
Chaotische Umstände, Liebe und ein Selbstmord
In seiner nach wie vor halbrenovierten WG geht das Leben munter weiter, mittlerweile gibt es keinen Strom und Warmwasser mehr, denn der Verantwortliche hatte seit dem Einzug keine Miete bezahlt. Unglücklicherweise verliebt Frank sich in die Angebetete seines Freundes, die von letzterem aber nichts wissen will. Die Beziehung hält eine knappe Woche, dann gesteht sie ihm, dass sie sich wieder in einen Exgenossen und ehemaligen Mitbewohner verliebt hat. Am gleichen Tag erfährt Frank von seinem erbitterten Freund, dass er jetzt ausziehen könne, weil ihn sowieso keiner mehr leiden kann. „Frankie“ fast einen rettenden Entschluss, um dem ganzen Schlamassel zu entfliehen. Mit Mandraxtabletten, die er bei einem Mitbewohner gefunden hat, täuscht er bei der Bundeswehr einen Selbstmordversuch vor.
Gedankenmonologe eines Durchschnittsbürgers
Franks ewige Gedankenmonologe über die eigenartigen Alltagssituationen, erschaffen eine Komik, die den Leser immer wieder zum Lachen bringt. Als Außenseiter zwischen lauter Extremen ist Frank ein absoluter Durchschnittsbürger – oft befremdend und meistens völlig fehl am Platz. Der Autor erschafft so eine zwischenmenschliche Spannung, die den Roman zwar nicht spannend macht, aber aus dem Leben gegriffen zu sein scheint. Mit dem selben staubtrockenem Witz, seinem Sinn für Tempo und Timing, sowie der Dialog- und Figurenführung seines vorherigen Werkes „Herr Lehmann“, ist auch Sven Regeners zweiter Roman ausgestattet, dessen stilles Thema der Überfluss des Lebens ist. Auch wenn die ein oder andere Länge entsteht, legt man das Buch ungern aus den Händen.
(Rezensiert am: 2004-12-15)
Sven Regener: Neue Vahr Süd. , Eichborn, 2004, ISBN-13: 9783821807430, 24.90 €
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