Frédérik Beigbeder:
Faszinierend und erschreckend zugleich - eine Anti-Utopie der Werbung in der Gegenwart!
Von Felix Struening
„Es ist die totale Magie: Leuten Lust zu machen auf etwas Neues, das sie sich nicht leisten können und zehn Minuten vorher auch noch nicht brauchten.“ Dieser Satz beschreibt die Quintessenz des Buches. Octave Parango ist ein Kreativer in einer Pariser Werbeagentur. Er und seine Kollegen verdienen mehr als gut, haben aber ein leeres Leben: Koks, Alkohol, Prostituierte und perverse Videos aus dem Internet sind die einzigen Inhalte. Ständig realisiert der Protagonist, was für falsche Arbeit er macht und kann dem teuflischen Kreislauf doch nicht entkommen. Es kommt zu einer fürchterlichen Gewalttat, doch die Geschichte geht unaufhaltbar weiter, einer mehr oder weniger... Der Autor entwickelt die Geschichte bis zum eigentlichen Höhepunkt, dem Gewinn des bedeutensten Werbepreises, bricht dort ab und schildert dann eine vermeintlich heile Welt, in die sich Prominente und Reiche geflüchtet haben. Keine Werbung belästigt die Einwohner, kein Kontakt zur Außenwelt mittels Zeitung, Fernsehen oder Internet ist erlaubt. Doch auch hier herrscht Leere und Langeweile. Der Traum des Paradieses zerplatzt durch diese Bedeutungslosigkeit. Parallel dazu werden fragmentarisch statistische Angaben zu Einkommen und Armut in der Welt gemacht, wodurch sich ein Spannungsbogen eröffnet, der das Bild einer „kaputten“ Gesellschaft zeichnet. Schließlich reihen sich nur noch Werbeslogans aneinander. Das Buch ist nicht nur eine harte Kritik an der Gegenwart, sondern beinhaltet auch eine düstere Zukunftsprognose des Überwachungs- und Konsumstaates. Zum „homo consumaris“ degradiert, besitzt der Mensch überhaupt keine Entscheidungsfreiheit mehr, die Werbung greift so subtil an, dass es keinen Weg daran vorbei gibt. Der Autor, selbst lange als Werbetexter beschäftigt, versucht einen Ausstieg aus der Welt, die er mitgeschaffen hat. Er will etwas verändern, entert seinen eigenen Worten nach das Flugzeug „Werbung“, merkt jedoch, dass es keinen Piloten gibt, den er zu Richtungsänderungen zwingen kann. Er selbst ist aber auch nicht fähig ein Flugzeug zu steuern. So mischen sich philosophische Gedanken mit perversen Pornobeschreibungen, wieder ein Zeichen für die paradoxe Gesellschaft.
(Rezensiert am: 2003-01-01)
Frédérik Beigbeder: Neununddreißigneunzig. , Rowohlt Verlag, Nov 02, ISBN-13: 9783499233241, 9.00 €
| BuchTest Services | ||
|
|
| Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie | |
|
|
||
| © Copyright Buchtest.com | Impressum | Kontakt |