Ursus Wehrli:
Noch mehr Ordnung für die Kunst – noch mehr System ins Chaos – noch mehr zum Betrachten, Entdecken und Lachen!
Von Felix Struening
Zwei Jahre sind vergangen, seitdem Ursus Wehrli mit seinem Buch „Kunst aufräumen“ eine völlig neue Idee präsentierte und eine Kontroverse losstieß. Nun liegt endlich der zweite Band vor, mit noch mehr aufgeräumter Kunst. Und er ist noch besser.
Mehr Vielfalt
Im ersten Band begeisterte vor allem die Idee, die Objekte in gemalten Kunstwerken so neu anzuordnen, dass sie nach Farbe und Form getrennt in ordentlichen Stapeln liegen. Auf der linken Seite präsentierte sich je das Originalbild, rechts konnte man die „aufgeräumte“ Version sehen. Doch was schnell als immer gleiches System wirkte, wird in „Noch mehr Kunst aufräumen“ perfektioniert. Der Autor verlässt hier bei einigen Werken die Zweidimensionalität und führt die Bilder oder Objekte auf ihren Ursprung oder vermeintlichen Ursprung zurück.
Das Kunstwerk und sein Ursprung
So ist zum Beispiel „Das Frühstück im Pelz“ vom Meret Oppenheim in eine normale Kaffeetasse mit Untertasse und Löffel zurückgeführt und daneben sitzt ein Hase, der den Fellbezug des Originals lieferte. Herrlich auch „Les Poseuses“ von Georges Seurats: Die pointilistische Malweise ist in eine Plastiktüte voller farbiger Plastikkugeln zerlegt. Und von Egon Schieles „Liegendem weiblichen Akt mit angezogenen Beinen“ ist nur noch ein Knäuel schwarzer Strick da. Die antiken Statuen Antinous und Venus haben ihre eigentlich abgebrochenen Beine wiedererhalten, in zugegebenermaßen etwas merkwürdigen Haltungen.
Was dem einen gefällt...
... ist des anderen Abscheu? Natürlich muss der Kunstliebhaber große Akzeptanz besitzen – oder einfach nur viel Humor. So mag z. B. Paul Klees „das Auge“ manchem in seiner nun symmetrischen Anordnung aufstoßen. Kasimir Malewitschs „Schwarzer Kreis“, der nur noch als Luftballon ohne Luft erscheint oder das nach Linien und Noten sortierte „Für Elise“ Beethovens ist dann doch leichter zu verkraften. Insgesamt ist Ursus Wehrli jedenfalls wieder eine hervorragende Karikatur der modernen Kunst gelungen, die manchmal gar nicht so abwegig scheint: Von Jackson Pollocks „Convergence: Number 10“ bleiben nur noch fünf nüchterne Farbdosen übrig.
(Rezensiert am: 2004-10-19)
Ursus Wehrli: Noch mehr Kunst aufräumen. , Kein & Aber Verlag, Herbst 2004, ISBN-13: 9783036952239, 14.90 €
| BuchTest Services | ||
|
|
| Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie | |
|
|
||
| © Copyright Buchtest.com | Impressum | Kontakt |