Hansjörg Pfister:
Hervorragende philosophische Aufschlüsselung des Buddhismus – mit leider falscher Schlussfolgerung!
Von Maximilian Hansen
Der Autor beginnt sinnvoller Weise damit, das philosophische System, in welches der historische Buddha vor gut 2500 Jahren hineingeboren wurde, zu beschreiben. Er zeigt, wie in den Veden und dem Vedanta viele Grundzüge des Buddhismus bereits enthalten waren, dass aber ein Satz des Buddha die bestehende Metaphysik aushebelte. Dieser Satz beginnt noch der damaligen Logik entsprechend: „Wenn A ist, dann folgt daraus B. Wenn A entsteht, dann entsteht auch B. Wenn B nicht ist, dann ist auch nicht A.“ Nun folgt aber eine neue Annahme: „Wenn B aufgelöst wird, wird auch A aufgelöst.“
Der Konditionalnexus
Was der Autor damit aufzeigen will, ist die Zeitunabhängigkeit des buddhistischen Systems. Mit anderen Worten: Die zeitliche Reihenfolge von Ursache vor Wirkung ist aufgehoben. Also besteht ein Konditionalnexus, der nicht eine Kausalkette beschreibt, sondern Bedingungen, die zeitgleich bestehen (z. B. der Schalter ist umgelegt, also ist das Licht an). Somit nähert sich die Beschreibung der Erleuchtung bzw. dem Zustand des Nirwana, indem gesagt wird, dass bei Wegfallen einer Bedingung der Nicht-Erleuchtung (z. B. Unwissenheit), alle anderen Bedingungen auch wegfallen und somit die Erleuchtung eintritt.
Die transzendentale Synthesis
Um dies zu erreichen, führt der Autor den Begriff der transzendentalen Synthesis ein und meint damit die zusammengemischte (synthetische) Wahrnehmung aus den verschiedenen Sinnen. Wenn diese Wahrnehmung wieder aufgespalten wird, kann eine Veränderung erreicht werden, die als Nirwana bezeichnet wird. Wie genau diese Veränderung jedoch aussieht, kann auch der Autor nicht sagen. Seiner Meinung nach geht der Buddhismus an dieser Stelle von rein logischer Philosophie zur Religion über, die Gläubigkeit verlangt.
Das Prinzip von Ursache und Wirkung und ein Fehlschluss
Mit überzeugender Argumentation führt der Autor seine These des Konditionalnexus weiter aus und schafft es viele Aspekte des Buddhismus präzise zu erklären. Am Schluss geschieht jedoch ein Fehler, als er versucht das Prinzip von Ursache und Wirkung der Kausalitätskette gänzlich zu entziehen und den konditionalen Bedingungen zu unterwerfen. Er erläutert wie es karmische Ursachen geben kann, die keinerlei Auswirkungen haben (wenn eine gegenläufige Ursache bereits vorhanden ist, dann lösen sie sich gegenseitig auf). Daraus schlussfolgert er plötzlich, dass Karma – sprich Ursache & Wirkung – auch durch Pech oder Zufall mit beeinflusst werden kann. Dies entbehrt jedoch jeglicher Logik.
Zwischen Theorie und Beispiel
Abgesehen von diesem Fehlschluss ist die Argumentationsweise des Autors in sich schlüssig und sehr aufschlussreich. Er bedient sich immer zweierlei Beispiel, um seine Thesen zu erklären. Zunächst an einer Gegebenheit des Alltags (Lichtschalter und Licht) verdeutlicht, wendet er dann das Gedankenmodell auf den Buddhismus an. Dazu zieht er oft die Reden des Buddha heran und zitiert ausführlich. Eine sehr gute Kenntnis der Originaltexte stellt der Autor damit unter Beweis. Auch die Einordnung in die oder der Vergleich mit den heutigen philosophischen Systemen ist immer wieder sehr aufschlussreich. Wer sich also von dem Fehlschluss am Ende nicht irritieren lässt, hat ein interessantes und gut recherchiertes Philosophiebuch vorliegen.
(Rezensiert am: 2004-07-28)
Hansjörg Pfister: Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus. , Reith und Pfister Verlag, 2004, ISBN-13: 9783980562997, 24.90 €
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