Stefan Zweig:

Schachnovelle

Wohl kaum als „Bibel“ des Schachs tauglich - aber eine schöne Novelle!

Von Felix Struening

Der Ich-Erzähler trifft auf einem Schiff den amtierenden Schachweltmeister Mirko Czentovic. Dieser wuchs als Bauernjunge bei einem Pfarrer auf, wo er das Schachspielen erlernte. Er ist sehr einseitig talentiert, kann kaum ein Wort richtig schreiben und scheint seine Weltanschauung auf Schach und Geld zu beschränken. Dabei besitzt er aller Ansicht nach kein Imaginationsvermögen, denn er spielt starr und maschinenhaft. Es findet sich eine Männerrunde zusammen, die gegen den Meister spielt. Doch haben sie keinerlei Chance, bis ein Unbekannter ins Spiel eingreift und das Remis schafft. Der Ich-Erzähler findet heraus, dass der Unbekannte - Dr. B. - in nationalsozialistischer Haft saß und dort nur nicht verrückt wurde, weil er im Kopf gegen sich selber Schach spielte. Es kommt zu einer weiteren Begegnung, in welcher Dr. B. den Weltmeister schlägt, doch bei der Revanche dreht Dr. B. langsam durch. Der Autor schafft es in dieser kurzen Erzählung viele psychologische Elemente aufzuzeigen, die Beeinflussung durch Sigmund Freud ist unübersehbar. Vor allem Dr. B., von seiner Schach-Manie gefangen, wird deutlichst mit Persönlichkeitsstörung dargestellt. Außerdem entsteht durch diese Person ein Zeitzeugnis, da er bei den Nazis in Haft saß. Man kann das Buch als Ode an das Schachspiel verstehen. Der Autor bezeichnet Schach als die Wissenschaft der Vergänglichkeit: es gibt immer nur den Spielmoment, Vergangenheit und Zukunft spielen nur eine untergeordnete Rolle. Weiterhin symbolisiert es die Unendlichkeit, da jedes Kind einfache Züge davon lernen kann, aber die Meister es doch nie vollkommen können, es gibt einfach zu viele Möglichkeiten. Merkwürdig ist nur, dass bei den Spielen im Buch zwar die Zeit gestoppt und die Anzahl der Züge gezählt wurde, die Bewegungen der Figuren jedoch nicht festgehalten wurden. So war den Männern ein Nachvollziehen der sensationellen Partie unmöglich. Das Buch ist leicht zu lesen und eine angenehme Lektüre für ein paar Stunden, die immense Stellung, die es in der Literatur einnimmt, ist jedoch nicht unbedingt nachvollziehbar.

(Rezensiert am: 2003-01-01)

Stefan Zweig: Schachnovelle. , Fischer Verlag, 1943, ISBN-13: 9783596215226, 5.00 €


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