Aldous Huxley:

Schöne neue Welt

Eine Anti-Utopie für jeden: zunächst angenehm, dann erschütternd und erschreckend nah!

Von Felix Struening

Der Roman beginnt mit einer Beschreibung der perfekten „Schönen neuen Welt“. Ausführlich werden die Methoden der Kinder-Nachzucht und der Erziehung erläutert. Es folgt die Darstellung Sigmunds, ein Mann bei dem die Normung leicht fehlgeschlagen hat. Er leidet unter dieser Situation, kann aber trotzdem eine Beziehung zu Lenina aufbauen. Auf einem Ausflug mit ihr in ein Indianerreservat lernt Sigmund eine ehemalige Freundin seines Vorgesetzten und deren Sohn Michel kennen. Als Sigmund letzteren mit zurück in die Zivilisation nimmt, genießt dieser erst die Vorteile, wird aber vor allem in seiner Liebe zu Lenina mit einem System konfrontiert, an das er sich nicht gewöhnen kann. Zusammen mit Sigmund und dessen Freund Holmes-Watson gerät Michel in Konflikt mit dem Weltaufsichtsrat. Während die beiden „Zivilisierten“ auf entfernte Inseln verbannt werden, zieht sich der „Wilde“ Michel in einen unbenutzten Turm zurück. Dort wird er jedoch bald zur Touristenattraktion und nimmt sich das Leben. Dieses Buch ist sowohl eine gesellschaftliche als auch eine politische Satire. Mit viel Sprachwitz schildert der Autor eine Welt, die wirklich auf den ersten Blick schön erscheint. Anders als z. B. bei George Orwells „1984“ basiert die Macht der Regierenden nicht auf physischer und direkter psychischer Gewalt und deren Androhung, sondern auf reiner Suggestion. Auch dem Leser werden Bilder vermittelt, gegen die sich der Verstand erst bei genauerem Nachdenken wendet: „In der Luft summten einschläfernd Bienen und Hubschrauber. “ Der regierende Weltaufsichtsrat hat Methoden entwickelt, um durch Normung Zufriedenheit zu schaffen. So bekommen die Kinder in der so genannten Schlafschule während des Schlafens immer wieder bestimmte Lektionen per Tonband vermittelt. Die Inhalte sind jedoch kein Wissen sondern Sitten und Verhaltensgrundlagen. Viele Wiederholungen ergeben eine Wahrheit, die sich tief ins Unterbewusstsein einprägt. Die Erwachsenen werden mit Einheitsveranstaltungen, die an mystische Beschwörungskulte erinnern, im System gehalten. Außerdem wird von früher Jugend an der Sexualtrieb gefördert und die Intimität des Geschlechtsaktes ist völlig genommen, denn: „Jeder Mensch ist seines nächsten Eigentum. “ Solche Anspielungen auf den Kommunismus, die Bibel oder andere „Systeme“ finden sich öfters, meist ins Lächerliche gezogen. Durch verstärktes Ausleben der sexuellen Triebe will die Regierung das Bewusstsein der Menschen klein halten. Dadurch dass keine Gefühle in den Menschen geweckt werden, entstehen auch keine Bedürfnisse, es gibt nur völlige Zufriedenheit, vor allem abgedeckt durch die Droge Soma. Kunst und Religion sind aus der Welt verbannt, sie sind überflüssig. Als Verbindung zur „Alten Welt“ zieht der Wilde Michel immer wieder Werke von Shakespeare zu Rate. Auch insgesamt scheint die „schlechte Vergangenheit“ nicht nur die Zeit um 1932 (Erscheinungsjahr) widerzuspiegeln, sondern könnte auch heute sein, obwohl wir der geschilderten „Neuen Welt“ wesentlich näher zu sein scheinen. Interessant ist aber, dass die Menschen zwar sich selbst nahezu völlig produzieren und manipulieren können, aber alle Maschinen noch mit der Hand gesteuert werden. Somit sind sie dem menschlichen Versagen ausgeliefert, wodurch das System gefährdet wird. In einem moderneren Zukunftsroman müsste hier der PC diese Gefahrenquelle ausschalten.

(Rezensiert am: 2003-01-01)

Aldous Huxley: Schöne neue Welt. , Fischer Verlag, orig. 1932, aktl.: 1981, ISBN-13: 9783596200269, 7.00 €


BuchTest Services



Bookmark and Share


powered by eurobuch.com

Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie |



© Copyright Buchtest.com Impressum Kontakt Buchtest.com Buchkritiken und Buchrezensionen Online

Buchkritiken | Rezensionen | Besprechungen | Autoren-Interviews

World Wide Web BuchTest

Startseite | Redaktion | Blog | Links | Kontakt
Hier könnte Ihre Werbung stehen.

BuchTest.de ist ein anspruchsvolles Online-Medium mit mehreren Tausend Lesern monatlich. Unsere Zielgruppe sind gebildete Menschen im besten Alter.

BuchTest.de erscheint in der Regel bei allen besprochenen Büchern unter den ersten drei bis fünf Suchergebnissen bei Google. Der hohe PageRank und der umfangreiche Traffic von BuchTest bringt Ihrer Webseite den richtigen Push.

Kontaktieren Sie uns jetzt für günstige Werbung: info@buchtest.de