Josef Joffe, Dirk Maxeiner, Michael Miersch, Henryk M. Broder:

Schöner Denken

Wie man politisch unkorrekt ist

Die bei weitem provokanteste und humorvollste politische Lektüre des Frühjahrs 2007!

Von Felix Struening

Achtung: Wer dieses Buch lesen will, muss über eine gesunde Portion Humor verfügen und darf sich selbst nicht zu ernst nehmen! Denn hier bekommt jeder – also wirklich jeder – sein Fett weg. Die vier Autoren haben ein ironisch-kritisches Wörterbuch aktueller Gesellschafts- und Politikbegriffe zusammengestellt, das es wirklich in sich hat.

„Achtundsechziger: Mensch, der die eigene Portpubertät für die bedeutendste Wende der Weltgeschichte hält.“

„Antisemitismus: Philosemitismus, der in sein Gegenteil umschlägt, wenn die Juden, zumal die Israelis, sich nicht so verhalten wie ‚Nathan der Weise’.“

Gesellschaftliche Irrwege, übersteigerte Ängste und Ansichten, aufgesetzte Verallgemeinerungen, alles wird aufs Korn genommen und mittels tief dunklen Humors unterhöhlt. Von einem ironischen Unterton zu sprechen, wäre maßlos untertrieben. Es wird gegen Amerika und Amerikagegner, gegen radikale Juden und radikale Muslime gewettert, vor allem aber gegen das Gutmenschentum, hierzulande auch gerne als ‚Appeasement’, also Beschwichtigungspolitik, bezeichnet.

„Dialog: Folgenloser Austausch bekannter Positionen.“

„Dialog der Kulturen: Wenn die eine Seite Respekt predigt und die andere Botschaften anzündet.“

Die Autoren sind allesamt aus großen Printmedien bekannt und haben die entsprechende Reputation, ein solches Projekt durchzuführen. Und da sie jedem auf dem Fuß treten, wird es auch keinem gelingen, sie an irgendeinen politischen Rand zu drängen. So unliebsam und unbequem dieses Buch für viele sein mag, es zeigt vor allem die ungeschminkte Wahrheit. Somit erhebt es sich vom Status einer Satire zur richtigen Gesellschaftskritik. Was ein Glück, dass es noch solch frische Denker gibt.

„Amerikanische Verhältnisse: Vorhof der Hölle ohne Flächentarifvertrag.“


Josef Joffe, Herausgeber der Zeit und einer der Autoren im BuchTest.com-Interview zu ‚Schöner Denken’:

Wie kamen Sie dazu, ein solches Wörterbuch herauszugeben? Was hat Sie dazu bewegt?

Die vielen festen Burgen der Gedanken, Begriffe und Einschätzungen, die in der postmodernen Meinungslandschaft herumstehen. Und das Motto des Francis Piccabia, dem zugeschrieben wird: “Der Kopf ist rund, damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können.”

Wie entstand die Kombination der vier Autoren?

Maxeiner und Miersch sind bewährte Andersdenker, die auch gut formulieren können und sich bestens in Klima-, Umwelt- und Wissenschaftsfragen auskennen. Und Henryk Broder ist sowieso der wortmächtigste “Piccabist” in Deutschland.

Welchen weiteren Artikel hätten Sie gerne noch im Buch gesehen?

Dutzende. Vorweg eine ganze Gruppe zum Thema “Klima und Weltuntergang”. Dann “Knut” zur Frage, ob die Eisbären den Weg der Dinosaurier gehen (sie tun es nicht). Dann “Krippen” und “Ursula v. d. Leyen” als Geheimwaffe gegen den Geburtenschwund in Deutschland. Putin als “lupenreinen Demokraten” hätten wir nicht vergessen dürfen; neu dazu “Raketenabwehr” als schnöde Bedrohung russischer Empfindsamkeiten. “Handys” als Krebsauslöser ist ein Klassiker, den wir übersehen haben.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Wenn die Verkaufszahlen uns weiter hold sind, bestimmt. In den ersten sechs Wochen, so der Piper-Verlag, seien 7000 Exemplare verkauft worden. Es scheint also eine ganze Menge “Piccabisten” in Deutschland zu geben.

(Rezensiert am: 2007-04-21)

Josef Joffe, Dirk Maxeiner, Michael Miersch, Henryk M. Broder: Schöner Denken. Wie man politisch unkorrekt ist, Piper Verlag, 2007, ISBN-13: 9783492050166, 14.90 €


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