Kathrin Schmidt:

Seebachs schwarze Katzen

Ein weiterer DDR-Wendezeit-Roman – literarisch flach und geschichtlich unkritisch!

Von Felix Struening

David findet im Schlafzimmer seiner Eltern eine geheime Stasiakte. Darin steht, dass sein Vater für den Geheimdienst der DDR tätig war. Und dass er seine Frau beruflich zigfach betrogen hat. David ist von seiner Entdeckung aufs äußerste verstört und bringt einen Stein ins Rollen der schließlich ein ganzer Roman wird.

DDR-Erinnerungen, Klappe die 100ste

Kathrin Schmidt reiht sich mit ihren literarischen Reflektionen über die DDR- und Wendezeit ein in die lange Liste derer, die irgendwie versuchen das Unfassbare zu erfassen. Der Leser bekommt das Gefühl, dass in diesen Romanen und Erinnerungen entweder alles unkritisch betrachtet wird oder ein Gefühl der Gleichgültigkeit alles eintrübt. Auch die Autorin von „Seebachs schwarze Katzen“ scheint die DDR-Erfahrungen nicht wirklich verarbeitet zu haben und schreibt sich ihre Gefühle anscheinend wahllos vom Herzen.

Desillusionierend bis trostlos

Die Protagonisten sind menschliche Wracks, Antihelden oder einfach Menschen, die von ihrer Vergangenheit verfolgt werden, von ehemaligen Müttern, Frauen, Geliebten oder Freunden. Bis fast zum Schluss führt Kathrin Schmidt neue Figuren ein, deren Zusammenhang und Bedeutung für die Geschichte kaum ersichtlich ist. Genauso trist bleibt die Handlung: Alltagssituationen reihen sich aneinander, die DDR-Zeit wird von vorne und von hinten, aber immer nur auszugsweise betrachtet.

Literarische Ebenen und ein gelungener Schluss

Verzweifelt versucht die Autorin mit der „Fettvettel Zeit“ eine metaphysische oder symbolische Literaturebene in den Roman einzuweben. Diese Experimente bleiben aber künstlich, ja aufgesetzt und nerven eher. Zum Schluss hin gelingt der erzählerische Bogen dennoch einigermaßen: Die wichtigsten Figuren werden verknüpft und ergeben einen nicht unbedingt zu erwartenden Zusammenhang. Insgesamt bleibt „Seebachs schwarze Katzen“ literarisch unspannend, geschichtlich unkritisch und irgendwie flach.

(Rezensiert am: 2005-11-08)

Kathrin Schmidt: Seebachs schwarze Katzen. , KiWi Verlag, 2005, ISBN-13: 9783462036121, 18.90 €


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