Hermann Hesse:

Siddharta

Eine indische Dichtung

Für Europäer wohl die verständlichste Form von Buddhismus!

Von Maximilian Hansen

Siddharta ist zu Beginn des Buches ein Jüngling, der als Sohn eines Brahmanen (ind. Priester) aufwächst. Siddharta lernt mit den strengen Regeln und umfassenden Gebetswerken zu leben. Er ist dabei sehr strebsam und allen Gleichaltrigen immer voraus. Auf seine Fragen findet er jedoch nicht ausreichend Antworten und beschließt als Asket nahezu allen weltlichen Dingen zu entsagen. Sein Freund Govinda begleitet ihn. Siddharta erreicht auch bei den Asketen Meisterschaft, ohne aber seine Erleuchtung zu finden. Als er und Govinda von einem Buddha erfahren, reisen sie zu ihm und Govinda beschließt dem Buddha zu folgen. Siddharta erkennt jedoch, dass ihm keine Lehre eines anderen zur Erleuchtung bringen kann, da dieses Moment nicht zu vermitteln ist. Er löst sich von vorgegebenen Banden und fühlt sich keiner Menschengruppe mehr zugehörig. Dafür lebt er in seiner Umwelt und kann diese erstmals als wahr und schön erleben. Er kommt in die Nähe einer Stadt, wo er die Kurtisane Kamala kennen lernt und mit ihr eine sexuelle Beziehung aufbaut. Außerdem lernt er bei einem Kaufmann dessen Handwerk und wird reich, habgierig und spielsüchtig. Schließlich entkommt er dem eigenen Überdruss und zieht ohne Besitz an einen Fluss zu einem Fährmann. Dort lernt er vom Fluss zu lernen und muss noch einmal eine harte Probe bestehen, als Kamala in der Nähe stirbt und Siddharta versucht, seinen Sohn, den er mit Kamala hatte, zu erziehen. Dieser flieht irgendwann aus Protest gegen seinen Vater und Siddharta muss den Schmerz der enttäuschten Liebe in Kraft umwandeln, bis er zur Erleuchtung gelangt. Hermann Hesses „Siddharta“ fesselt mit einer klaren und schlichten Sprache. Dabei lässt der Autor dem Leser viel Raum für eigene Vorstellungen, indem er Dinge mit einigen Worten andeutet, sie aber nicht vollendet, so dass der Leser automatisch ergänzt. So z. B. „...im Sonnenschein oder im Mondschein, im Schatten oder im Regen, ...“ Im ersten Satzteil sind mit Sonnenschein und Mondschein alle Tageszeiten abdeckend beschrieben, zu Schatten ergänzt man jedoch Sonne, und zu Regen auch, allerdings mit zwei verschiedenen Bezügen (Gegenteil / Wetter). Hesse schafft es, einen Einblick in die buddhistische Theorie zu gewähren, ohne dabei belehrend zu wirken. Vielmehr wird der Leser durch den spannenden Verlauf der eigentlich sehr einfachen Handlung in Bilder und Ideen des Buddhismus spielend hineingeführt. So beschreibt er den Buddha, den Siddharta trifft: „... sein stilles Gesicht war weder fröhlich noch traurig, es schien leise nach innen zu lächeln.“ An einer anderen Stelle sagt Siddharta: „Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben.“ Siddharta muss auf seinem Weg viel lernen und für sich formulieren, so dass dem Leser Lebensweisheiten angeboten werden, mit denen er sich zwar beschäftigen kann, die er aber nicht annehmen muss, um mit dem Buch umzugehen. So merkt Siddharta, dass er nicht mit den Gedanken allein sein Selbst finden kann, sondern dass er es erleben und seiner inneren Stimme folgen muss. Er erkennt die Welt als eine Einheit, in der alles jeden vergangenen und zukünftigen Zustand in sich vereint. Und er sieht, dass nur die Liebe den Menschen auf ihrem Weg helfen wird. Damit traf Hesse nicht nur bei der Veröffentlichung kurz nach dem I. Weltkrieg die Hauptfragen einer erschütterten Welt, sondern bewahrt bis heute eine erschreckende Aktualität.

(Rezensiert am: 2003-01-01)

Hermann Hesse: Siddharta. Eine indische Dichtung, Suhrkamp, Erstausgabe 1922, aktl. 2002, ISBN-13: 9783518366820, 6.00 €


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