Erich Maletzke:
Der unbekannte private Siegfried Lenz – mittels Werkschau gut näher gebracht!
Von Felix Struening
Siegfried Lenz ist einer jener Autoren, die so viel Bedeutendes geschrieben haben, aber kaum ein Wort über sich selbst verlieren. Er ist ein Schweiger, sagt Erich Maletzke und wagt es trotzdem, nachzufragen. In unermüdlichen Gesprächen versucht er dem weltbekannten Autor auf die Spuren zu kommen. Entstanden ist eine erste biografische Annäherung an denjenigen, über den es bisher keine Biografie gibt.
Aller Anfang ist schwer
Und so fällt es Erich Maletzke auch schwer, den Kindheits- und Jugendtagen viel neues zu entlocken, zu gering ist die Quellenlage, zu schweigsam der Autor. Wer die autobiografischen Schriften Lenz’, wie etwa im Band „Selbstversetzung“ gelesen hat, kennt das meiste. Der Biograf bleibt merklich distanziert und wirkt fast befremdlich. Doch mit fortschreitendem Lebensalter des Beschriebenen erhöht sich die Zahl seiner Werke und über diese gelingt Erich Maletzke eine literarische Annäherung. In einer Art Werkschau öffnet sich die geschriebene Welt von Siegfried Lenz und damit auch ein Blick auf sein Leben. Kenner seiner Romane und Erzählungen werden sich immer wieder an Titel und Figuren erinnern und in ihnen den Autoren erleben.
Literarisches Schaffen und der Erfolg
Erich Maletzke schildert, wie Siegfried Lenz zu seinem literarischen Schaffen stand, wie er sich immer wieder selbstversetzte und neue Erzählstile fand. Er erzählt vom Auf und Ab, bleibt distanziert genug um loben, aber auch tadeln zu können und urteilt schließlich richtig, dass der Autor immer dann zu literarischer Hochform aufläuft, „wenn er ein ernstes Thema humoristisch aufbereitet und gleichzeitig der Phantasie ihren Lauf lässt.“ Deutlich wird aber auch, dass es spätestens seit dem Millionenerfolg der „Deutschstunde“ relativ egal ist, was die Kritik sagt, ein Lenz wird immer gekauft und findet sich schnell in den Bestsellerlisten. Ein Umstand, der sich auch darin spiegelt, dass sein Name meist größer als der Titel auf dem Cover zu sehen ist.
Es bleibt eine Annäherung
Erich Maletzke zeigt die peniblen Lenz’schen Recherchen für seine Bücher und seine politische Unterstützung der SPD, er zeichnet die Freundschaften zu Marcel Reich-Ranicki, Günter Grass und Helmut Schmidt nach. Und dennoch hat der Leser oft das Gefühl, an dieser und jener Stelle noch tiefer eindringen zu wollen, um noch mehr zu erfahren. Dennoch wäre der Vorwurf der Oberflächlichkeit angesichts der erschwerenden Umstände ungerecht und Erich Maletzke kann immerhin auf viele ungehobene Schätze wie Briefe und Notizen im Lenz’schen Haus neugierig machen. Ob diese aber je das Licht der Leseröffentlichkeit erblicken, bleibt ungewiss. Leider ist das Buch mit einem plumpen DDR-haften Cover-Layout ausgestattet. Einige SW-Bilder des Autoren und ein interessantes Literaturverzeichnis können dies nur wenig wettmachen. Insgesamt hat der Autor einen guten kritisch-distanzierten Blick auf Werk und Person geworfen und sich dem Verborgenen des Siegfried Lenz so weit es geht genähert. Ein Anfang ist gemacht, weitere biografische Tiefgänge werden hoffentlich einst folgen.
(Rezensiert am: 2006-03-30)
Erich Maletzke: Siegfried Lenz. Eine biografische Annäherung, zuKlampen, 2006, ISBN-13: 9783934920880, 16.80 €
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