Benjamin von Stuckrad-Barre:
Eine Karikatur der Musikkritik, zugleich Liebesgeschichte ohne Liebe und Biografie eines Narzissten – witzig und unterhaltsam!
Von Felix Struening
Das sich dieses Buch um Musik drehen wird, verrät sowohl der Titel als auch das Inhaltsverzeichnis. Letzteres ist in Form von zwei CDs gestaltet, die Kapitel sind die Titel. Aber es geht um noch viel mehr in diesem Buch. Es geht um die Frage der großen Liebe, ob es sie gibt oder ob sie nur ein Hirngespinst ist. Der Icherzähler wurde gerade von seiner Freundin Katharina verlassen. Per Fax hat sie ihn abserviert. Nach vier Jahren Beziehung, in der er durchaus Soloprojekte hatte, merkt der Icherzähler erst jetzt, was ihm Katharina bedeutet. Ein Kampf um seine große bzw. wahre Liebe beginnt, andererseits will er sich abzulenken, versucht es mit anderen Frauen. Doch dies bleibt mehr oder weniger erfolglos. Immer wieder vergleicht er mit Katharina, kann sie nicht wirklich vergessen. Die andere Seite des Buches sind die Musikkritiken. Hier werden die meisten Gruppen und Interpreten derart verurteilt, dass es schon wieder eine Karikatur der Musikkritik ist. Der Autor scheint hier autobiografische Elemente aus seiner Zeit als Musikjournalist beim „Rolling Stone“ Magazin in Hamburg zu verarbeiten. Diese Kritik bzw. das Fertigmachen weitet sich auf nahezu alles aus: Auf Menschen, Partys, aber nicht auf ihn selbst. Ironischer bzw. sogar zynischer Weise stellt der Erzähler direkt dazu Vermutungen „ins Blaue“ an. So meint er z. B., dass Frauen mit großen Brüsten immer müde klingen, weil ihre Brüste so schwer sind. Überhaupt pauschalisiert der Autor bzw. der Erzähler ständig, teilt seine Welt in einfache Kategorien ein (z. B. werden Personen nach ihren Namen typisiert). Dabei entsteht allerdings eine Menge Situationskomik, der Leser kann viel lachen. Auch scheint der Autor sich selbst nicht ganz ernst zu nehmen. Angenehm ist, das er nicht versucht, seine Erlebnisse als allgemeingültig darzustellen. Es ist eben seine Geschichte, nicht die einer Generation. Um einen fehlenden Tiefgang des Werkes auszugleichen und die eigentlich belanglose Handlung spannend zu machen, beschreibt der Autor die Ereignisse nahezu dokumentarisch. Und was nun aus seiner großen Liebe wird, bleibt offen, das Buch endet sehr abrupt.
(Rezensiert am: 2003-04-01)
Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum. , Goldmann Verlag, 1998 (1. Auflage), aktl. 2003, ISBN-13: 9783442455904, 7.00 €
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