Gaby Hauptmann:
Ein Buch von dem wohl jeder Mann noch lernen kann – mit einem überraschenden, aber leider schwachen Ende!
Von Felix Struening
„Attraktive, erfolgreiche 35erin sucht Mann für schöne Stunden, Unternehmungen, Kameradschaft. Bedingung: Intelligenz und Impotenz.“ Mit dieser Kontaktanzeige sucht die frustrierte Protagonistin Carmen den Ausweg aus ihrer Misere. Sie will endlich einen Mann, der nicht schon beim Aufwachen nur noch an Sex denkt. Und prompt bekommt sie einen ganzen Stapel Zuschriften. Sie sieht sich mit den unterschiedlichsten Männern konfrontiert, muss aber auch den Brief einer entrüsteten Christin lesen, die ihr erklärt, es sei die heilige Aufgabe der Frau, Kinder zu gebären. Mit immerhin fünf impotenten Männern trifft sich Carmen und verstrickt sich im Wirrwarr der verschiedenen Charaktere und Mentalitäten. Dabei stehen ihr die alte Dame Elvira, die einen Stockwerk tiefer wohnt, und ihre beste Freundin Laura bei. Es entwickeln sich immer mehr Verbindungen, die mehr oder weniger zu erwarten sind und sich oft schon früh ankündigen. Schließlich kann sich Carmen für einen der Männer, David, entscheiden. Während er ihr endlich alles bietet, was sie sucht, fehlt ihr plötzlich, dass er mit ihr schläft. Aber genau das kann David ihr schließlich nicht bieten und Carmen beginnt einen Feldzug gegen die Impotenz, der vor keiner Methode zurückschreckt. Anfangs eher polemisierend und ein wenig feministisch wirkend, schafft es die Autorin im späteren Verlauf des Buches eine durchaus ernsthafte Betrachtung der Themen Liebe, Sexualität und Impotenz zu entwickeln. So lässt sie z. B. den Traummann David sinnieren: „Ehrlich gesagt, Elvira, Impotenz ist natürlich auch keine Lösung. Und wenn Frauen wie Carmen anfangen, sich für eine intakte Zweierbeziehung impotente Männer zu suchen, dann läuft ja eigentlich ganz entschieden etwas verkehrt. Aber wahrscheinlich ist es schon so, dass Männer ihr bestes Stück viel wichtiger nehmen, als die Frauen das tun!“ Schwach ist nur, dass die Autorin für die Dramaturgie des Romans auch noch eine Krimihandlung benötigt. Da stellt sich die Frage, ob das Thema Liebe an sich nicht spannend genug ist. Auch die vielen Verbindungen, die sich ganz zufällig auftun, erinnern eher an einen Hollywood-Schmachtfetzen. In diesem Stil endet das Buch auch, was zwar den Leser zunächst befriedigt, aber doch irgendwie einen schalen Geschmack hinterlässt. Die ansonsten saubere Konstruktion der Handlung scheint hier einem Bruch zu erleiden.
(Rezensiert am: 2003-07-01)
Gaby Hauptmann: Suche impotenten Mann fürs Leben. , Piper Verlag, 1995, ISBN-13: 9783492221528, 8.00 €
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