John Updike:

Terrorist

Psychologischer Roman über den islamistischen Selbstmordattentäter – leider nicht sehr erhellend!

Von Felix Struening

Und wieder hat der schreibwütige John Updike einen 400-Seiten-Wälzer vorgelegt, gewidmet einem brandaktuellen Thema: islamistischen Selbstmordattentätern. Voller Anspielungen auf reale Ereignisse und gespickt mit unzähligen Koranstellen auf Arabisch und Deutsch, schwankt der Roman zwischen Fiktion und Tatsachenbericht. Was er liefern soll, ist eine psychologische Annäherung an jene Menschen, die bereit sind, ihr Leben und das vieler anderer für Allah zu opfern.

„Einzig die Bildlichkeit des Wortes ergreift, wie der Prophet wusste, die Seele in ihrem spirituellen Kern.“

Nur schleppend entfaltet sich die Handlung und Updikes Figuren bleiben irgendwie blass, so über-typisch und altbekannt, wie sie daher kommen. Nichts wirklich Aufregendes passiert, aber auch Gefühle und Stimmungen können sich nicht entfalten, die Sprache vermag den Leser kaum zu fesseln. Erst auf den letzten 50 bis 100 Seiten entsteht eine Art Spannung und der Autor erzeugt sogar eine teilweise Identifikation des Lesers mit dem angehenden Selbstmordattentäter. Einen Einblick in dessen Psyche gelingt jedoch kaum.

„Ahmed liebt es zu beten, er liebt das Gefühl, die lautlose innere Stimme in ein Gefäß des Schweigens an seiner Seite strömen zu lassen; eine unsichtbare Erweiterung seiner selbst in eine Dimension zu überführen, die reiner ist als die drei Dimensionen dieser Welt.“

Das Buch bemüht sich mittels Koranzitaten um Authentizität, dennoch bleibt der fade Geschmack, das dem Autor ein wirkliches Eindringen in das Selbstbild und die Denkweisen islamistischer Welten nicht geglückt ist. Immer geht es ums Scheitern, letztlich sind alle Existenzen im Roman gescheiterte. Leider scheitert der Autor ebenso, sich auf jene einzulassen, die unsere westliche Welt so hassen. Ein wenig überzeugendes Ende bleibt alle psychologischen Erklärungen schuldig und wirkt, als hätte der Autor sich im letzten Moment eines anderen besonnen und es geändert, ohne die Zeit zu haben, moralische Konsequenzen wirklich zu durchdenken und strukturieren. Was bleibt, ist das Gefühl viele Stunden in einen mittelklassigen Mainstream-Roman investiert zu haben, ohne dem Thema näher gekommen zu sein.

(Rezensiert am: 2007-01-07)

John Updike: Terrorist. , Rowohlt Verlag, 2006, ISBN-13: 9783498068851, 19.90 €


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