Cristopher Duncan:
Überlebensstrategien für Programmierer oder wie man Software-Projekte erfolgreich abschließt!
Von Felix Hassert
Das Software-Projekt steht kurz vor dem Abgabetermin, der Programmierer versucht gerade die verkürzte Nachtruhe an der Kaffeemaschine auszugleichen; da kommt ein Vorgesetzter vorbei und erwähnt, dass die Hälfte der Software doch nicht gebraucht wird, dafür aber neue Features eingebaut werden müssen, die einem Kunden schon verkauft wurden und natürlich am nächsten Tag fertig sein müssen. Für Christopher Duncan gehören solche Situationen zum alltäglichen Wahnsinn eines Programmierers. In seinem Buch "The Career Programmer" beschreibt er Möglichkeiten, wie Programmierer ihr Arbeitsumfeld und dessen Arbeitsweise ändern können um dem zu entgehen.
"Imperfect World"
Was dieses Buch von anderen Büchern über Software-Entwicklung unterscheidet, ist der Realitätsbezug. In vielen akademisch anmutenden Werken werden Prozesse zur Umsetzung und Steuerung von Software-Projekten beschrieben. Hätte man die Gelegenheit die Prozesse tatsächlich von Anfang bis Ende mit allen vorgesehenen Schritten umzusetzen, wären nicht nur die Ergebnisse besser, sondern vor allem auch die Programmierer glücklicher. Leider gehört die anfangs beschriebene Situation eher zur Regel als zur Ausnahme. Wenn man durch Zeitnot oder wechselnde Anforderungen gezwungen ist, den regulären Weg zu verlassen, sind die meisten Methodologien zum Scheitern verurteilt.
Das ist der Punkt, an dem Duncan ansetzt. Er bietet keine neue Entwicklungsmethodologie, sondern einen einfachen Prozess, der die Herstellung guter Software in unserer "Imperfect World" ermöglicht.
"Guerilla Tactics"
Duncan bedient sich vieler bekannter Praktiken, bereichert sie aber um die Dimension der Durchführbarkeit. Warum man zu Beginn eines Projekts eine Liste von Anforderungen braucht ist den meisten klar; hier wird erklärt, wie man seine Kollegen und Vorgesetzten dazu bringt, sie später auch einzuhalten. Das Buch beschreibt, wie man als Programmierer oder Projekt-Manager während der gesamten Laufzeit das Projekt unter Kontrolle behält und böse Überraschungen vermeidet. Ein Grundgedanke ist, die Kommunikation zwischen Technikern und Mitarbeitern des Managements herzustellen und glücken zu lassen. Während viele Programmierer taktieren und aktive Teilnahme an der Firmenpolitik für unnötig halten, scheint gerade hier die Lösung einiger grundlegender Probleme der Software-Entwicklung zu liegen.
"I write like I talk"
Durch viele Jahre Berufserfahrung als Programmierer und der, zwar etwas martialischen aber dennoch passenden, Beschreibung des Berufslebens vieler Programmierer im ersten Teil des Buchs, kann der Autor die notwendige Glaubwürdigkeit für die im zweiten Teil beschriebenen Lösungen aufbauen. Die knapp 200 Seiten das Buchs sind in verständlichem und lockerem Englisch verfasst. Um jeglichen Anflug akademischer Strenge abzuwehren, versucht der Autor immer wieder den Text durch humorvolle Äußerungen aufzulockern, was im Laufe des Buches eher zu einer schleppenden Wiederkehr einiger Running-Gags wird. Dennoch kann das Buch flüssig gelesen werden, so dass man sich schnell daran machen kann, sein berufliches Umfeld umzukrempeln.
(Rezensiert am: 2004-06-06)
Cristopher Duncan: The Career Programmer. Guerilla Tactics for an Imperfect World, Apress, 2002, ISBN-13: 9781590590089, 27.78 €
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