Mark Twain (herausgegeben von Maxwell Geismar):
Mehr oder weniger echte Tiere und Menschen aus einem anderen Blickwinkel gesehen - sehr kurios!
Von Felix Struening
Mark Twain kennt man wohl eher von den Geschichten über Tom Sawyer und seinem Freund Huckleberry Finn. So liest man den Titel beim ersten Kontakt auch noch einmal nach, ob da nicht doch „Brehms Tierleben“ stand. Aber es ist und bleibt Twain. Also beginnt man interessiert zu schmökern und stellt schnell fest, dass dies wohl eher die Karikatur eines Brehms ist. Noch eher aber die Karikatur des Menschen. Vor allem seinen Hochmut nimmt der Autor aufs Korn und zeigt Darwins Fehler auf: Der Mensch ist eine Rückentwicklung vom Tier, diese sind ihm moralisch weit überlegen. Aber Twain bleibt keinesfalls nur bei realen Tieren, wenn er von A wie „Der Affe auf den Minaretten“ bis Z wie „Der Zerosaurier“ schreibt. Er erzählt auf 212 Seiten von Mücken, die wählen gehen wollten und von Rennvögeln, die vor der Eisenbahn die Post transportierten. Oft bewegt er sich auch auf der Grenze zwischen Wahrheit und Erfindung. Er zerstört auf ironische Weise das Bild, welches wir von Tierarten haben, so z. B. befindet er die Ameise als völlig chaotisch, vergesslich und sinnlos. Hingegen bewundert er etwas völlig lächerliches aufs stärkste. Auch verwechselt er mit Absicht Tierarten, stellt die Gämse mit den Eigenschaften eines Flohs dar, ohne ihn je zu erwähnen. Zeichnerisch unterstützt wird diese Sammlung von Kuriositäten durch Christian Farner, der sich sichtlich durch die Beschreibungen inspirieren lies. Insgesamt ist eine sehr unterhaltsame Lektüre mit moralischem Anspruch entstanden.
(Rezensiert am: 2003-04-01)
Mark Twain (herausgegeben von Maxwell Geismar): Twains Tierleben. , Rogner und Bernhard Verlag, 2002, ISBN-13: , 15.00 €
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