Cees W. de Jong, Jan Tholenaar:

Type (Vol. 1)

A Visual History of Typefaces and Graphic Styles 1628 – 1900

Drei Jahrhunderte Druckkunst in einem Band – für Sammler, Typografen und andere Textliebhaber!

Von Felix Struening

Heutzutage haben die meisten Computer schon beim Kauf zig installierte Schriftarten und unzählige weitere gibt es kostenlos oder für vergleichsweise wenig Geld im Internet. Schriftnamen wie Times New Roman, Garamond oder Helvetica gehören zu unserem Alltag in jedem normalen Textverarbeitungsprogramm. Doch diese Vielfalt an Schriftarten stammt aus einer Zeit, als Schriften noch gezeichnet und anschließend in Blei gegossen wurden. Um sie dem Kunden anzubieten, wurden dann Musterblätter erstellt, die die Schrift in möglichst vielen Zeichen und Größen darstellten. Im Taschen-Verlag liegt nun ein erster Bildband mit Hunderten dieser Beispieldruckbögen von 1628 bis 1900 vor.

Von der Suche nach der perfekten Schrift

Die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts revolutionierte sich die Wissensverbreitung, wie es wohl aus technischer Sicht gesehen seitdem nur noch das Internet geschafft hat. Der sogenannte Hochdruck mit einzelnen Bleibuchstaben, die spiegelverkehrt in Setzkästen angeordnet wurden, ermöglichte erstmals die kostengünstige Massenverbreitung von Büchern und anderen Druck-Erzeugnissen. Über viele Jahrhunderte sollte sich an der Drucktechnik nichts Wesentliches ändern, bis Alois Senefelder 1791 die Lithografie bzw. den Steindruck erfand und es so möglich wurde, vielfarbige Drucke bequem zu realisieren.

Was sich in den vielen Jahren zwischen Gutenberg und Senefelder allerdings stark weiterentwickelte, war die Suche nach der perfekten Schriftart. Dabei dominierten sehr lange Serifenschriften, die unserer Handschrift noch am meisten nachempfunden sind. Erst später entstanden serifenlose Schriftarten, die heute bei der Wiedergabe von Texten auf Bildschirmen üblicher sind.

Hohe Qualität zu günstigem Preis

Eine der bedeutendsten Sammlungen von Schriftarten-Druckbeispielen und Musterblättern hält heute der Niederländer Jan Tholenaar. Zusammen mit Cees W. de Jong hat er nun den ersten Band mit Schriftarten aus den Jahren 1628 bis 1900 editiert. Neben einer Einführung zur Suche der Typografen nach der perfekten Schriftart erfährt der Leser auch, wie man dazukommt, Schriftarten bzw. Musterblätter zu sammeln. Auf den folgenden knapp 300 Seiten finden sich dann die besten Beispiele der Jahrhunderte alten Kunst. Neben vielen deutschen Musterblättern sind vor allem die arabischen und türkischen (in der Türkei wurde erst 1928 die arabische Schrift durch die lateinische ersetzt) sowie die mit hebräischer Schrift.

Wie immer hat der Taschen-Verlag beim Druck in hohe Qualität investiert und bietet für Schriftarten-Sammler eine sehr günstige Übersicht. Der Finanzkrise entsprechend ist das derzeitige Motto des Verlages „Rich books for poor times“, was sich aber auch schon seit langem bei den hochwertigen Kunstbüchern (z. B. „Städte der Welt“, „Hiroshige“ oder „Michelangelo“) des Verlages niederschlägt.

Heutige Typografen dürften auch die eine oder andere Inspiration aus dem Buch ziehen können, zumal der zweite Band mit den moderneren Schriftarten für das Frühjahr 2010 angekündigt ist, man also gespannt sein darf. Dem Buch liegt außerdem eine Karte mit einem Accesskey bei, mittels dessen der Leser Online-Zugriff auf über 1.000 Scans weiterer Schriftarten erhält. Was will das Sammlerherz mehr?

(Rezensiert am: 2009-10-24)


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Cees W. de Jong, Jan Tholenaar: Type (Vol. 1). A Visual History of Typefaces and Graphic Styles 1628 – 1900, Taschen Verlag, 2009, ISBN-13: 9783836511018, 39.90 €


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