Meike Janosch, Rahel Schomaker (Hg.):
Wie Wassermanagement zukünftige Kriege vermeiden könnte – und warum es manchmal doch nicht funktioniert!
Von Shazia Saleem
Kriege um Wasser in der Nahostregion – ein Szenario, das Geheimdienste wie Wissenschaftler bereits seit den 1980er Jahren beunruhigt. Wasser könnte in Zukunft das Hauptmotiv für Krieg in sein. Der Anspruch des Sammelbandes „Wasser im Nahen Osten und Nordafrika. Wege aus der Krise“ ist, mögliche Lösungs- und Friedenskonzepte vorzustellen. Ein Vorhaben, das streckenweise gut gelingt.
Der Nahe Osten ist so reich an Konflikten wie arm an Wasser. Ohnehin zerstrittene Konfliktparteien teilen sich grenzüberschreitend Flussläufe und Frischwasserquellen. Israel und die palästinensischen Gebiete sind das beste Beispiel. Brisant ist die Wasserfrage auch für die Türkei, Syrien und Irak, die von den gemeinsamen Flüssen Euphrat und Tigris abhängig sind. Bevölkerungswachstum und fortgeführte Verschwendung des knappen Guts nähren die Befürchtungen vor einer drohenden Wasserkrise zusätzlich.
Meike Janosch und Rahel Schomaker zeichnen in ihrem Sammelband keine Wasserkriege der Zukunft vor. Im Gegenteil zeigen die jungen Münsteraner Wissenschaftler mögliche Wege aus den bestehenden Ressourcenkonflikten auf. Im Mittelpunkt des Buches steht das integrierte Wasserressourcenmanagement (IWRM). Das Konzept ist nach seiner weltweiten Anerkennung 1992 auf der internationalen Konferenz über Wasser und Umwelt zum heute umstrittenen Leitbild der Vereinten Nationen im Umgang mit Wasserfragen avanciert. Das zugehörige Programm wird vom Netzwerk Global Water Partnership der UN als „ein Prozess definiert, der die koordinierte Entwicklung und Bewirtschaftung von Wasser, Boden und den zugehörigen Ressourcen fördert“.
Vielschichtiges Regulierungsmodell
Durch die Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor sollen gleichzeitig politische, rechtliche und institutionelle Probleme der staatlichen Apparate gelöst werden, um einen besseren Umgang mit dem kostbaren Wasser zu gewährleisten. Dabei scheint das hochkomplexe Modell Zauberformel und Fluch zugleich zu sein, will das IWRM doch nicht nur dafür sorgen, dass Wasser effizient verwaltet wird, sondern auch die politischen Systeme im Nahen Osten verändern. Der vielschichtige Ansatz verlangt von den Regierungen etwa demokratische Strukturen, die eine faire Verteilung und gleichberechtigten Zugang der Menschen zum Wasser ermöglichen.
So kritisiert Katja Hübschen das von westlichen Wissenschaftlern und Entwicklungshilfeorganisationen entworfene IWRM-Konzept als ein normatives, „westlich-geprägtes Modell“. Für seine Umsetzung würden schlicht die sozio-ökonomischen, politischen, rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen in diesen Staaten fehlen. IWRM fordere politische Strukturen nach dem Vorbild westlicher Demokratien und verfolge so, versteckt hinter dem Hilfeauftrag, eine politische Agenda. An das Modell anlehnende Lösungskonzepte, wie der Handel mit Wasserrechten oder die Preisregulierung für Wasser, scheinen ebenfalls an Voraussetzungen geknüpft, die fragile Schwellen- und Entwicklungsländer mit beschränkter staatlicher Durchsetzungsfähigkeit einfach nicht erfüllen. So sind die Lösungsmodelle von Hübschen, Konegen und anderen im ersten Teil des Bandes bisweilen illusorisch und nicht umsetzbar.
Fallstudien zum IWRM
Erst die Fallstudien im zweiten Teil demonstrieren, dass IWRM tatsächlich funktionieren kann, es dazu allerdings einiger Modifizierungen bedarf. Beispiel Jordanien: Obwohl von demokratischen Strukturen weit entfernt, hat das Königreich mit Hilfe der Weltbank neue rechtlich-institutionelle Rahmenbedingungen für die Wasserversorgung etabliert. Zuvor hatte die Weltbank aufgrund zu hoher Sickerverluste dafür vorgesehene Geldmittel gestrichen und das Land praktisch zur Zusammenarbeit gezwungen. So übernahm unter anderem ein privates Unternehmen aus den Geberländern zeitweilig die Verantwortung für den Betrieb des Wassernetzes. Dadurch konnte binnen kurzer Zeit die Wasserversorgung in Jordanien entscheidend verbessert werden.
Der Ressourcenkonflikt scheint weniger durch physischen Mangel allein als durch falsches Management verursacht zu sein. Die ausführlichen Länderanalysen zeigen die Komplexität und Vielschichtigkeit der Wasserproblematik sowie mögliche Lösungsstrategien auf. Theoretische Konzepte auf der einen Seite, Fallstudien auf der anderen – was die Herausgeber schuldig bleiben, ist eine Zusammenführung. Am Schluss bleiben so viele Fragen offen: Warum genau ist das IWRM in einigen Ländern erfolgreich, wie Jordanien zeigt, in anderen jedoch nicht? Und warum ist es trotz pessimistischer Prognosen bisher nicht zu einem Wasserkrieg gekommen? Am Ende steht ein vages Resümee: Das Wassermanagement klappt – manchmal.
Zuerst veröffentlicht in: 360°, das studentische Journal für Politik und Gesellschaft, 1/2009: Krieg und Frieden.
(Rezensiert am: 2009-08-14)
Meike Janosch, Rahel Schomaker (Hg.): Wasser im Nahen Osten und Nordafrika. Wege aus der Krise, Waxmann Verlag, 2008, ISBN-13: 9783830920021, 29.90 €
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