Pema Chödrön:
Sehr gute buddhistische Hilfe für schwierige Situationen, um mit ihnen richtig und konstruktiv umzugehen und daraus zu lernen!
Von Maximilian Hansen
Jeder kennt diese Situationen: Der Partner hat einen verlassen, alle Besitztümer sind verbrannt, ein naher Bekannter ist schwerkrank oder alles zusammen. In diesen Augenblicken fühlen wir uns hilflos, lassen uns von den Gefühlen treiben und fragen uns, warum es immer uns treffen muss. Genau hier setzt Pema Chödrön an und zeigt, wie man mit diesen Situationen besser umgehen, ja sie sogar bewusst für die eigene Entwicklung nutzen kann.
Die Angst akzeptieren
Zunächst gilt es die Angst als solche zu akzeptieren. Man muss ihr in die Augen schauen und genau beobachten, was mit einem passiert. Dann kann man mit den völlig freigelegten Problemen arbeiten. Man betrachtet, wie in einem Gefühle wie Stolz, Zorn, Eifersucht und Trauer entstehen. Aber zugleich geht man einen Schritt zurück und beurteilt die Gefühle nicht. Wenn man dann die Wirkungsweise der Störgefühle erkannt hat, tut man etwas völlig unerwartetes. Etwas, wogegen sich alle inneren Regungen und Wünsche richten. So lernt man die Gewohnheitsmuster zu durchbrechen und erreicht allmählich immer mehr Freiheit im Augenblick. Und nur darum geht es: den Augenblick im Hier und Jetzt zu nutzen!
Wirksame Methoden aus dem Buddhismus
Die Autorin ist buddhistische Nonne und leitet ein Kloster in Kanada. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn was sie fordert ist nicht Entsagung von weltlichen Dingen, sondern das Nutzen aller Ereignisse im Alltag auf dem eigenen Entwicklungsweg. Dazu gibt sie dem Leser den Buddhismus als Mittel an die Hand. Sie zeigt, wie man mit Meditation Zurückhaltung (nicht Unterdrückung!) üben kann und so weniger affektiv auf die Gefühle reagiert. Dabei geht es in der Meditation nicht darum, schöne Zustände zu erhalten, sondern „sich allem, was entsteht, entspannt zu öffnen, ohne zu urteilen und zu wählen.“
„Geben Sie die Hoffnung auf!“
Wer sich der buddhistischen Lehre zuwendet, wird jedoch keine Sicherheit bekommen, so wie es andere Religionen versprechen. Stattdessen erkennt man die Vergänglichkeit aller Dinge. Man lernt, nicht daran anzuhaften und sie als bedingt zu erkennen. Nur der Geist ist unzerstörbar, denn er hat weder Form, Gewicht noch Ausdehnung. Wenn man das wirklich versteht und es zu einer inneren Erfahrung wird, verschwindet jede Angst. Dafür entsteht der starke Wunsch, anderen zu helfen und zum besten aller Wesen zu arbeiten. Man gibt die Hoffnung auf besseres auf, denn es gibt nur das Hier und Jetzt. Und wer in diesen Übungen fortschreitet, wird irgendwann die unangenehmen Situation suchen um seinen Geist zu trainieren.
Das Buch und seine Autorin
Pema Chödrön lebte lange als „normale“ Frau, bis sie Chögyam Trungpa Rinpoche kennenlernte und seine Schülerin wurde. Trungpa Rinpoche steht in der Traditionslinie des tibetischen Buddhismus. Die Autorin zitiert dadurch viele tibetische Meditationsmeister, wie z. B. den Dalai Lama, den 16. Gyalwa Karmapa und natürlich ihren eigenen Lehrer. Dennoch kann sie unheimlich viel aus eigener Erfahrung berichten und veranschaulicht viele Ratschläge an Beispielen aus dem Alltag. Mit ihrer klaren Sprache sticht sie wie mit einem spitzen Messer zu und stellt den Leser an seinen wunden Punkten. Und trotzdem sind diese Hinweise nicht schmerzvoll, sondern eher wie Aha-Erlebnisse. Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort, in dem der Übersetzer Thomas Geist die buddhistische Sicht vom Leid anhand der Vier Edlen Wahrheiten – Buddhas ersten Belehrungen – erklärt. Ein Glossar für die verwendeten Fachbegriffe hilft dem Buddhismus-Neuling schließlich, sich gut zurecht zu finden. Insgesamt ein hervorragendes Buch, vor allem wenn bei einem gerade alles zusammenbricht.
(Rezensiert am: 2005-01-18)
Pema Chödrön: Wenn alles zusammenbricht. Hilfestellung für schwierige Zeiten, Goldmann Verlag, 2001, ISBN-13: 9783442215256, 7.95 €
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