Jonathan Knudsen:
Eine Einführung in MIDP mit strukturellen Defiziten und eigenwilligen Bemerkungen.
Von Tobias Lütticke
“Wireless Java” von Jonathan Knudsen beschäftigt sich mit der Java 2 Mirco Edition, beschränkt sich dabei aber auf den Bereich Mobile Device Information Profile (MIDP) in den Versionen 1.0 und 2.0. Es handelt sich um ein Grundlagenbuch und widmet sich aus dem großen Bereich mobiler Endgeräte der Java Entwicklung auf Pagern, Mobiltelefonen und anderen Kleingeräten.
Breites inhaltliches Spektrum
Nach zwei einführenden Kapiteln stellt Knudsen der Reihe nach die unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten der API vor, um Anwendungen (Midlets) zu entwickeln. Dies reicht von der Erstellung von Benutzerschnittstellen und deren Komponenten über Speichermöglichkeiten (Persistenz) und Internetanbindung bis hin zur Game und Sound API. In den sich anschließenden weiterführenden Kapiteln geht er auf die Themen Performance-Optimierung, das Parsen von XML und der krytographischen Schutz von Daten ein. Das Buch schließt mit einem 60seitigen Anhang, der eine MIDP API Referenz enthält. Auf insgesamt 360 Seiten erhält man damit das Handwerkszeug, um Java-Programme auf mobilen Endgeräten zu entwickeln.
Kenntnisse über verschiedene Technologien der Java-Welt sind Voraussetzung
Laut Klappentext wendet sich das Buch an Interessierte mit mittlerem bis fortgeschrittenen Kenntnisstand. Der Autor allerdings setzt aus seiner Sicht nur grundlegende Kenntnisse der Programmiersprache Java voraus. Insgesamt muß aber gesagt werden, dass gewisse Kenntnisse der behandelten Bereiche wie etwa XML oder Kryptographie sehr hilfreich sind. Es werden zwar jeweils kurze Einführungen gegeben, diese sind aber in der Regel so knapp gehalten, daß sie nur bei den ersten und einfachen Schritten weiterhelfen.
Unübersichtliche Kapitelstruktur
Die Reihenfolge der Kapitel ist so gewählt, daß sich die Beispiele von allgemein gültigen Grundlagen hin zu verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten wie Internetanbindung, Sound oder Spiele entwickeln. Jedes Kapitel enthält Codebeispiele und endet mit einer kurzen Zusammenfassung. Knudsen spart nicht mit Online Referenzen. Bei jedem Thema finden sich URLs, unter denen der Leser weitergehende Informationen findet. An einigen Stellen wünscht man sich aber eher noch mehr Informationen im Buch selber, als an Quellen im Internet verwiesen zu werden. Die Kapitel sind in zahlreiche Abschnitte unterteilt, die allerdings nicht numeriert sind. Dieses und die Tatsache, dass sich die Hierarchie der Abschnitte innerhalb eines Kapitels an den Überschriften nicht erkennen läßt, gestaltet die Kapitel sehr unübersichtlich. Insbesondere in Kapiteln mit vielen oder kurzen Abschnitten verliert man in diesem Einheitsbrei schnell den Überblick und es bleibt oft unklar, wie sich der aktuelle Text in den Zusammenhang einfügt.
Als Referenz nicht geeignet
Der Nutzerwert der API Referenz im Anhang ist zwar gut gemeint, bleibt aber fragwürdig. In Zeiten von JavaDoc wird in der Regel eher am Rechner nachgeschlagen als im Buch geblättert. Ein Klassendiagramm, das den Zusammenhang der Klassen in der API darstellt, wäre an dieser Stelle sicher hilfreicher gewesen. Knudsen legt immer wieder Wert auf die Tatsache, daß er auf die neuen Fähigkeiten von MIDP 2.0 eingeht. Er weist auch etliche Male darauf hin, wie nützlich und wichtig diese Neuerungen sind. Eine Übersicht über diese Erweiterungen und eine Gegenüberstellung der Versionen 1.0 und 2.0 vermißt man allerdings trotzdem. Diese Tatsachen lassen „Wireless Java“ als Referenzbuch ungeeignet erscheinen. Während der Index vergleichsweise ausführlich ist, gestaltet sich das Herausfiltern der gewünschten Information aus dem Fließtext schwieriger. Auch eine Zusammenfassung von „best practices“, wie man sie von vielen Entwicklungsbüchern gewohnt ist, sucht man vergebens. An der ein oder anderen Stelle findet sich im Fließtext ein Hinweis darauf, was man tunlichst unterlassen oder worauf man unbedingt achten sollte. Da diese Ratschläge aber nicht besonders gekennzeichnet sind, laufen sie Gefahr, unterzugehen. Gut und hilfreich wäre eine Aufstellung eben dieser Do’s und Dont’s am Ende eines Kapitels.
Unsachliche Bemerkungen im Text
Die Darstellung des Inhalts ist sachlich, aber nicht trocken. Technische Sachverhalte stellt Knudsen gut verständlich dar. Er streut allerdings immer wieder Bemerkungen ein, wie „cool“ die Technologien sind, wie „hip“ man als Entwickler von mobilen Anwendungen ist und wie gut sich mit entwickelten Spielen bei Freunden und Kollegen angeben läßt. Auch der Verweis auf ein Programmierwerkzeug nur für „ernsthafte Programmierer“ unterstellt, dass man sich als Leser nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt. Die Tatsache, dass der Autor fast ausschließlich Spiele und Programme mit Sound als sinnvolle Anwendungen betrachtet, mutet seltsam an. Diese Bemerkungen sollen den Text vielleicht auflockern, wirken aber aufgesetzt und unprofessionell. Dazu kommt, daß Knudsen mehrmals ebenfalls von ihm verfaßte Bücher als Sekundärliteratur empfiehlt. Deren Erwähnung ist selbstverständlich in Ordnung, sie aber als ausschließliche Quelle aufzuführen und auf die Nennung weiterer Bücher zu verzichten, hinterläßt einen schalen Beigeschmack.
(Rezensiert am: 2005-02-12)
Jonathan Knudsen: Wireless Java. Developing with J2ME, Apress, 2003, ISBN-13: 9781590590775, 32.41 €
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