Kevin Vennemann:

Wolfskinderringe

Erzählungen

Endlich wieder ein Autor, der erzählen kann – lassen Sie sich von diesem Buch verzaubern!

Von Felix Struening

Es sind acht geheimnisvolle Erzählungen, die Kevin Vennemann in seinem Debüt vorlegt. Acht Erzählungen, welche die Umgebung genau beobachten und doch immer am Übergang zwischen Realität und Illusion entlang führen. Der Leser wird mitten in Situationen und Biografien hineingestellt und erlebt einen Zeitabschnitt, wie den Lichtkegel einer Taschenlampe, der nur einen kleinen Ausschnitt zeigen kann. Dies geschieht jedoch mit einer solchen Intensität, dass sich der Leser in die Handlung hineingezogen fühlt, ohne aber ihre Bedeutung voll erfassen zu können. Durch die teils mystischen Vermischungen, die Fragwürdigkeit und die offenen Enden muss man nach der Lektüre noch lange darüber nachdenken. Der Autor erreicht hier eine Wirkung, die dem „Meister der deutschen Kurzgeschichte“, Siegfried Lenz, sehr nahe kommt. Lediglich die Schlüsse sind bei Vennemann nicht so überraschend wie bei Lenz. Stark bemerkbar ist der amerikanische Einfluss, den der Autor wohl in seiner Zeit in New York erfuhr. Immer wieder geht es um Baseball, von großen Villen mit Holzveranden und riesigen Sportzentren ist die Rede. Szenen der mehr oder weniger realen Gegenwart beschreibend, fühlt man sich sprachlich eher in ein Märchen oder eine Rittersage versetzt: „Das Mädchen hockte auf dem Boden und streckte einen bleichen Arm in seine Richtung, die Handfläche war zum Himmel entfaltet.“ Als neunte Erzählung findet der Leser in der Mitte des Buches einen Cartoon, eine spritzige Idee, die dieses Buch sehr bereichert. Ansonsten schreibt Vennemann eindringlichst über die große Liebe zwischen zwei jungen Menschen, ohne auch nur einmal das Wort „Liebe“ erwähnen zu müssen. Oder über eine Stadt, die von ihren Bewohnern verlassen wird, weil das lokale Baseballteam verkauft wurde. Nur der Erzähler und seine Freundin bleiben zurück, treffen sich in einem Raum, in dem es regnet, wenn man ihn betritt. Monitore projizieren eine Straße, und der Bus muss einen Umweg fahren, weil einer der Bildschirme ausgefallen ist, das Bild der Straße ein Loch hat... Insgesamt ist ein Buch entstanden, dass den Leser in andere Welten entführt, zum Nachdenken anregt und verzaubert. Hoffen wir auf baldige Fortsetzung durch den Autor.

(Rezensiert am: 2003-05-01)

Kevin Vennemann: Wolfskinderringe. Erzählungen, Tropen Verlag, 2002, ISBN-13: 9783932170522, 12.00 €


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