Jana Hensel:

Zonenkinder

Bestenfalls eine Erinnerungshilfe für Ostalgie-Fans!

Von Felix Struening

Schon mit dem Titel „Zonenkinder“ verallgemeinert die Autorin ihre persönlichen Erlebnisse auf eine ganze Generation. Dies setzt sich durch das ganze Werk fort und ist die größte Schwäche der Autorin. Viele Erlebnisse aus der DDR-Zeit mögen noch für nahezu jeden zutreffen. Aber wenn es um persönliche Veränderungen und Einstellungen im Umbruch nach der Wende geht, kann ein Mensch wohl kaum für eine ganze Generation sprechen. Auch nicht, wenn er die Meinungen seiner Freunde und Bekannten mit einbezieht. Außerdem projiziert die Autorin ihre pessimistische Weltsicht auf die Wende und sucht in letzterer die Schuld. Nur bei der Beurteilung ihrer Eltern bleibt sie sehr korrekt, da sie nicht weiß, ob sie selbst vielleicht zum MfS (Ministerium für Staatssicherheit) oder der SED gegangen wäre. Allerdings auch nicht einfach zu verallgemeinern ist die Entfremdung von ihren Eltern, die sie nach der Wende spürte. Ihre Eltern wollten oder konnten sich nicht an den Westen anpassen, dass heißt aber noch lange nicht, dass dies für alle zutrifft. Auch scheinen ihre Eltern doch sehr patriotisch gewesen zu sein und ihr keineswegs eine distanzierte Ansicht der DDR-Situation vermittelt zu haben. Die Autorin scheint nicht froh darüber zu sein, dass die Mauer gefallen ist und lässt nahezu alle negativen Seiten der DDR außen vor. So gewährleistet sie dem „Westbürger“ keineswegs einen vollkommenen Einblick in die Zeit vor der Wende. Vergeblich versucht sie den Leser in träumerische Erinnerungen mitzuziehen (auch mit Bildern von typischen DDR-Relikten). Natürlich zeigt das Buch auch Umstände, die auf mehr oder weniger jeden zutreffen mögen. So zum Beispiel, dass der „American Westdeutschland Dream“ natürlich für die meisten schon nach kurzer Zeit platzte. Sicherlich hat die Autorin mit der Wende viel verloren, was sie auch gut dokumentiert. Und sicher ist dies auch schwer, anderen mitzuteilen. Und natürlich treffen auch die beschriebenen positiven Seiten des Ostens zu. Aber trotzdem gelingt es der Autorin auf etwa 160 Seiten nicht, das Phänomen einer ganzen Jugend einzufangen.

(Rezensiert am: 2003-05-01)

Jana Hensel: Zonenkinder. , Rowohlt Verlag, 1. Auflage 2002, aktuell: 10 Auflage 2003, ISBN-13: 9783498029722, 14.00 €


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