Magnus Mills:
Skurrile Geschichte über das Leben in einer Blechhütte – leider sehr flach und gänzlich auf Sand gebaut!
Von Claudio Bini
Es hätte eine intelligente Allegorie werden können, auf die Manipulation und Anziehungskraft von Massen durch Demagogen, eine mitreißende reminiszent messianische Parabel, eine stille Huldigung der menschlichen Einöde oder Hymne auf die vergebliche Suche nach Freiheit. Doch letztlich ist man bei Magnus Mills’ Roman „Zum König“ versucht zu fragen, ob es sich beim nunmehr dritten Werk des britischen Autors um eine miserable Übersetzung handelt, oder schlicht um eine gehörig missratene Geschichte; eine, die wie eben jenes Haus des namenlosen Antihelden ganz und gar auf Sand gebaut ist.
Literarische Grobmotorik
Eloquenz, dramaturgisches Gespür, ziseliert literarisches Taktgefühl – all jene Attribute sucht man vergebens im Roman. Der Autor wirkt wie ein Schlächter, wie ein Grobmotoriker. Mills reiht in ebenso ungekämmt gleichmütiger Manier gedankenleere Sätze aneinander, wie seine Figuren Holzpflöcke in den trockenen roten Wüstenboden rammen. Dröge, abgeschlaffte Dialoge machen sich zwischen einer stark verkrusteten Handlung breit, die substantiell zumeist nicht mehr bereit hält, als die Frage danach, aus welcher Richtung wohl als nächstes der Wind bläst. Selbst interessante Anklänge in bestimmten Passagen werden scheinbar mühelos von borniert pseudoexistenzialistischem Blech erdrückt.
Die Verkrüppelung Becketts
Konterkariert wird dieser Umstand lediglich noch durch den Ort des Geschehens. Auf der einsamen Hochebene eines Canyons, jeder Realität entleert, gefallen sich Mills’ Figuren, allen voran sein einfältiger Ich-Erzähler im peinlichen Pioniergehabe, verwirken ihr Dasein im tagtäglichen Lukenöffnen und Lukenschließen, und dem Wegschippen von Sand. Wohl eher ungewollt mutet dieser Klamauk wie eine schwache und überdies wenig originelle Umwälzung von Samuel Becketts „Warten auf Godot“ an. Mills’ Menagerie zieht sich solange hin, bis die ominöse Gestalt Michael Hawkins in den Horizont der Figuren tritt und die Blechhüttenbande plötzlich wie Wind die Sandkörner westwärts treibt.
Kein Hofknicks!
Magnus Mills behandelt seine Leser wie literarisch Unmündige; so gut wie nie gestattet er ihnen, zwischen den Zeilen zu lesen, stets ist es sein Erzähler, der jedes noch so unwichtige Detail, jede einfältig pomadige Eingebung peinlich genau wiedergibt und verklärt, ganz gleich wie belanglos. Gerade an dem eingezwängt anarchischen Wahnwitz seines Konstrukts macht sich ironischer Weise das allzu streng narrative Diktat bemerkbar, dem sich alles in „Zum König“ zu beugen hat. Dabei ist das Sprachliche an vielen Stellen so wenig überzeugend wie Gesundheit gefährdend; wer sich nicht unnötig der Gefahr aussetzen will, an Augenkrebs zu erkranken oder an Langeweile, dem empfiehlt sich nachdrücklich, die Finger von diesem Buch zu lassen. Wer dennoch wissenswertes über Blechhäuser für einsame Hochebenen sucht, wird im Baumarktkatalog unterhaltsamere Lektüre finden!
(Rezensiert am: 2008-05-14)
Magnus Mills: Zum König!. , Suhrkamp, August 2004, ISBN-13: 9783518416525, 16.80 €
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