Nick McDonell:
Drogen und Gewalt in Amerikas Upperclass – unterhaltsam aber leider nicht systemkritisch!
Von Felix Struening
Es ist das reiche weiße Amerika, das in diesem Buch lebt: Die Kinder und Jugendlichen schwerreicher Eltern langweilen sich in New York zu Tode. Drogen, Markenklamotten und Coolsein bestimmen den Alltag. Auch der Protagonist, White Mike genannt, ist einer von ihnen. Mit einem einzigen Unterschied: Mike ist clean. Er hat in seinem Leben noch nie geraucht, Alkohol getrunken oder andere Drogen angerührt. Dafür dealt er seid dem Ende der Highschool und versorgt alle Partys mit dem Stoff. Offiziell arbeitet der hochintelligente Mike bei seinem Vater im Restaurant, doch in Wirklichkeit wartet er nur darauf, das sein Handy zum nächsten Kunden ruft. Zwischendurch liest Mike Camus und Nietzsche und versucht sich über den Unterschied zwischen Jugendlichen und Erwachsenen klar zu werden. Um Mike herum gibt es unzählige Personen, die auf irgendeine Art und Weise miteinander zu tun haben oder sich kennen. Verschiedene Alltagstätigkeiten, Drogenerlebnisse und Partyvorbereitungen geschehen in den vier geschilderten Tagen des Buches. Denn am letzten Tag ist Sylvester und die größte aller Partys soll steigen. Dort treffen sich schließlich alle zum großen Showdown, der überraschend blutig endet. Die sehr kurzen Kapitel (auf 230 Seiten fast 100) wirken wie ein schnell geschnittener Werbe- oder Musikfilm. Kursiv gesetzte Kapitel werfen kurze Rückblenden wie Lichtblitze in die Vergangenheit Mikes. So bleibt er auch der einzige klar gezeichnete Charakter, während die anderen völlig verwaschen und austauschbar bleiben. Überhaupt sind die Betrachtungen der Menschen und Ereignisse durch den Autor absolut teilnahmslos. So bleibt die Dramaturgie auch recht flach und vorsehbar. Die Beschreibungen entsprechen sprachlich eher einer MTV-Sendung und um das Image der Reichen zu charakterisieren, verwendet der Autor allzu oft Markennamen oder den Geldwert, ohne daraus ein stilistisches Mittel entwickeln zu können. Natürlich liest sich das Buch locker und flüssig durch, es ist ja auch nicht besonders lang. Dabei wird dem Leser ein Bild von Amerika gegeben, das er irgendwie schon kennt: Im Fahrstuhl gibt es Knöpfe, die ein Taxi rufen, Boxtrainer kommen ins Haus und Drogen für ein paar Tausender sind auch mal drin. Leider wird kaum Kritik an diesem System geäußert, lediglich der Showdown scheint die in den letzten Jahren entstandene Angst vor Gewalttaten in Amerika zu spiegeln. Und es zeigt, dass auch im Land wo es nur ums „Habenwollen“ geht und wo Mädchen für Drogen ihr wohlbehütete Jungfernschaft aufgeben, der Rausch von Drogen ungefährlicher ist, als der von Waffen und ihrer Macht.
(Rezensiert am: 2003-09-01)
Nick McDonell: Zwölf. , KiWi Verlag, 2002, ISBN-13: 9783462032284, 7.00 €
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