Geheimnisvoll, bedrückend und durch seine subtile Sprache fesselnd

Nur langsam, ganz langsam entfaltet sich dem Leser die Geschichte von Arne, dem so seltsamen Jungen. Berichtet vom Ich-Erzähler Hans, in dessen Familie Arne aufgenommen wurde, nach dem Tod der seinigen. Hans muss das zusammenpacken, was von Arnes Sachen übrig ist. Und dabei kommen ihm immer wieder Erinnerungen hoch, an Erlebnisse mit Arne, an Gespräche, an Gefühle.

Und mit jeder Erinnerung lernt der Leser mehr über den geheimnisvollen Außenseiter Arne. Es ist wie ein Puzzle, das sich zusammensetzt. Und doch kann weder Hans noch seine Familie noch der Leser je ganz ergründen, was Arne im Innersten bewegte. Arne, der von Gleichaltrigen immer ausgeschlossen wurde. Arne, der dafür zu den schwierigsten Menschen Zugang fand. Arne, der in noch so unbedeutenden Dingen etwas besonderes sah.

Während Hans diese unzähligen – bei Arne zu Schätzen gewordenen – Gegenstände verpackt, versucht der Rest der Familie Abschied von Arne zu nehmen, oder doch noch einmal teilzunehmen, was ihnen vorher nur so wenig gelang. Wie so oft bei Siegfried Lenz, sind es das Meer und die Menschen am Meer, die die Geschichte prägen. Mit erstaunlich reduzierter Handlung und ohne die übliche Wendung am Schluss erreicht Lenz eine erzählerische Ebene, die nicht nur wegen ihrer sprachlichen Perfektion sehr tiefgeht. Ein Buch und eine Geschichte, denen man ihr Geheimnis nur Stück für Stück abringen kann. Und die den Leser doch nicht loslassen, immer tiefer führen, in die (Irr-)Wege menschlichen Verhaltens.

Siegfried Lenz (1999): Arnes Nachlass. Hamburg: Hoffmann und Campe