Ein herausragend detaillierter Ratgeber für Familien, der die komplexe Materie sehr gut verständlich macht!

Rund 150 Fördermaßnahmen stehen in Deutschland für Eltern und Kinder zur Verfügung. Immerhin bis zu 250 Milliarden lässt sich dies der Staat jährlich kosten. Doch die wenigsten durchblicken den Förderdschungel. Schon wer mal einen Antrag auf Elterngeld ausgefüllt hat, weiß welch bürokratischer Apparat da in Gang gesetzt wird. Und während Eltern- und Kindergeld noch halbwegs jedem bekannt sind, wissen die meisten Eltern längst nicht von allen Zuschüssen und Steuersparmöglichkeiten. Die Stiftung Warentest will dem mit einem neuen Ratgeber abhelfen.

Alle Förderungen von der Geburt bis zum 25. Lebensjahr

Zunächst fällt positiv auf, dass „Mehr Geld für Eltern“ sich nicht wie andere Ratgeber zum Thema auf die Fördermaßnahmen für junge Familien, sprich Elterngeld, Kindergeld und Mutterschaftsgeld beschränkt (z. B. „Schwangerschaft, Mutterschutz, Mutterschaftsgeld, Elternzeit, Elterngeld“). Stattdessen ist das Buch in die drei Altersgruppen Starthilfe für die Jüngsten (0 bis 6 Jahre), Schulzeit (7 bis 18) und Generation 18 plus aufgeteilt. Somit könnte es zum langfristigen Begleiter für die Familie werden, wären da nicht die ständigen Änderungen, wie etwa die Erhöhung des Elterngeldes 2010 oder im Rückblick betrachtet die Einführung des Elterngeldes und der sogenannten zwei Partnermonate. Familien, die schon mehrere Kinder haben, werden von dieser thematischen Aufteilung jedoch sehr profitieren.

Weiterhin ist die breit angelegte Perspektive sehr angenehm. Nicht nur direkte Förderungen bzw. Zuschüsse wie Elterngeld und Kindergeld werden thematisiert, sondern auch Steuererleichterungen, Freibeträge, Betreuungshilfen, Behinderung und Pflegebedürftigkeit sowie Erbschaft, Kinderzulagen für Eigenheimer und Rentenvorteile. Dabei folgt der Ratgeber immer dem Schema, die Beantragung zu erklären, an Beispielen mögliche Vorteile vorzurechnen aber auch auf eventuelle Nachteile etwa für den Partner oder die Zeit nach der Elternzeit etc. hinzuweisen.

Vor allem die vielen (steuerrechtlichen) Details überzeugen, da selten so viele Aspekte in Ratgebern erklärt werden, übrigens auch nicht in der kostenlosen Broschüre „Elterngeld und Elternzeit“ des Bundesministeriums für Familie. So unterschlagen viele Publikationen die Verrechnung von Mutterschaftsgeld mit dem Elterngeld, was konkret bedeutet, dass eigentlich zwei Monate weniger Elterngeld gezahlt wird, als angegeben.

Aufmachung & Inhalt überzeugen

Ein umfangreicher Service-Teil mit Tabellen über zu erwartendes Elterngeld, Kindergeld-Berechtigungen für in der BRD lebende Ausländer sowie Beispiel-Steuererklärungen und Vorlagen für Anträge rundet den Ratgeber ab. Selbst wer schon einiges über ihm und seinen Kindern zustehende Förderungen und Vorteile weiß, findet hier den einen oder anderen Tipp. Besonders aber kann „Mehr Geld für Eltern“ für werdende Familien empfohlen werden, die einen schnellen aber soliden Einstieg brauchen, ohne sich mit unwichtigen Diskussionen zu beschäftigen. Inhaltlich und vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist der Ratgeber ungeschlagen.

Ute Brandt, Hans W. Fröhlich (2009): Mehr Geld für Eltern. Berlin: Stiftung Warentest, 208 Seiten, 12,90 Euro.