Die Rezension ist die wohl anpassungsfähigste Form der Literaturkritik. Zugleich ist sie die verbreiteteste Textart, zumindest wenn man ihr die Kurzkritik, die nach ähnlichen Prinzipien funktioniert, hinzurechnet. Im Folgenden sollen ein paar Tipps und Kriterien für die Kritik von Sach- und Fachbüchern gegeben werden.

Wie schreibt man eine Rezension?

Die Kriterien für die Sachliteratur-Rezensionen sind in der jahrelangen Arbeit mit Sach- und Fachbüchern entstanden. Da eine wissenschaftliche Aufarbeitung für die Kritik nicht-fiktionaler Literatur bisher völlig fehlt, beziehen sich die Kriterien auf die empirische Studie von buchtest.de Chefredakteur Felix Struening zur Sach- und Fachbuchkritik in deutschsprachigen Medien. (Auszug als PDF, vollständige Version beim Verlag LiteraturWissenschaft.de).

Natürlich ist auch die Rezension im Web 2.0 ständigen Veränderungen und Entwicklungen unterworfen. Diese reflektieren wir im buchtest.de Blog, wo unter anderem auf die Änderungen der Rezension bzw. der Literaturkritik im Allgemeinen im Internet bzw. Web 2.0 eingegangen wird. In regelmäßigen Abständen werden Erkenntnisse dieser Artikel für die Überarbeitung dieser Anleitung übernommen.

Rezensionskriterien

Die folgenden Kriterien für Rezensionen bzw. Buchkritiken legen den Fokus auf Sach- und Fachbücher, treffen in gewissen Maße aber auch auf Literatur zu. Sie müssen nicht immer in ihrer Gesamtheit angewandt werden:

  1. Der Kritiker sollte seine Bewertungskriterien offen legen, damit der Leser diese nachvollziehen und sich gegebenenfalls von ihnen emanzipieren kann. Das kann einerseits die Selbstverortung des Kritikers in ideologischer und fachlicher Hinsicht notwendig machen. Andererseits betrifft es vor allem die Argumentation selbst, die immer den Vorgang der Übersetzung (»dieses Textmerkmal führt zu folgender Wirkung beim Rezensenten«) transparent machen muss.
  2. Der Inhalt eines Werkes muss wiedergegeben werden, dabei kann die Darstellung stark verkürzend sein oder sich auf bestimmte Teile, etwa Argumentationsstränge, konzentrieren. Zu bewerten sind die Aussagen im Bereich der Sach- und Fachbuchkritik insbesondere in der Dimension wahr-falsch.
  3. Der Kontext soll das Buch einordnen in politische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Strömungen und Denkmuster sowie bewerten, ob die jeweiligen Standards (z.B. wissenschaftliche) erfüllt werden. Soweit möglich, sollte das Buch ebenfalls in den Kontext ähnlicher Werke gestellt werden, vergleichende Wertungen sind erwünscht. Gleiches gilt für die Bezugnahme auf das Gesamtwerk des Autors.
  4. Insbesondere bei provokanten oder Debattenbüchern ist die Verortung des Autors notwendig, um z.B. Vorbilder und Gegenspieler zu identifizieren. Dazu kann auch der Hinweis auf bisherige Einschätzungen des Autors bzw. seines Werkes sinnvoll sein.
  5. Aussagen über die Aufmachung des Buches beinhalten folgende Merkmale: sprachlicher Stil, Gliederung und/oder Struktur, Abbildungen und Grafiken und Tabellen, Ausstattung mit einem wissenschaftlichen Apparat mit Quellenverzeichnis und Index. Es sollte erwähnt werden, ob und welche dieser Merkmale erfüllt sind, wie sie erfüllt sind oder ob ihr Nicht-Vorhandensein belanglos ist.
  6. Zielgruppe und Verwendung sollen schließlich wiedergeben, für wen das Buch geeignet ist (z.B. wegen nötiger Vorkenntnisse oder des Preis-Leistungs-Verhältnisses) und auf welche Art und Weise die Nutzung sinnvoll erscheint. Dies ist insbesondere dann notwendig, wenn durch den Autor bzw. Verlag eine andere Zielgruppe/Verwendungsart vorgegeben wird. An dieser Stelle sollte schließlich eine Kauf- bzw. Lektüreentscheidungshilfe gegeben werden: Wer sollte das Buch warum lesen oder eben nicht?